leipzig: Stephanie Thiersch: «Corps Étrangers»
Ein Huhn kommt am Seil vorbeigeflogen, mit einem roten Schnabel im Gesicht und listig-gelben Augen. Ein Hase hoppelt heran, weiße Ohren auf dem Kopf und einen Wulst im Mund, der sich entrollt und als lange Zunge zu Boden hängt. Ein Löwe stolziert, eine Maus kreuzt seinen Weg – und entkommt. Tolle Tiere bewohnen die Bühne in Stephanie Thierschs neuem Stück «Corps Étrangers», lauter Fremdkörper. In ihrer «Happy Living»-Trilogie (2012) widmete sich die Kölner Choreografin zuletzt den Eigentümlichkeiten des modernen Lebens, jetzt sucht sie nach dem vormodernen, archaischen Körper.
Was ist ein Mensch? Wer sind seine Verwandten, wo sind die Grenzen? Thiersch und ihre Akteure interessieren sich für das von der Moderne, von Vernunftglauben und Abstraktionsprozessen verdrängte Spielpotenzial des Körpers. Drei Akrobaten und zwei Tänzer bilden ein Ensemble, das virtuos heterogene Körper zwischen Mensch und Tier, Subjekt und Objekt entwirft. Da werden Tim Behren und Florian Patschovsky zum Doppelkörper mit vier Beinen, laufen in fester Umarmung vierfüßig über die Bühne oder heben den anderen an der Hüfte durch den Raum. Die beiden Akrobaten arbeiten auch in der Kompanie HeadFeedHands zusammen, ...
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Tanz Dezember 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Esther Boldt
Zwei Männer in buntgemusterten Hemden und Shorts bewegen sich über den Boden, steigen übereinander, verschlingen die Glieder und verdrehen ihre Körper, sodass ununterscheidbar wird, wem hier welcher Arm gehört. Dabei schauen sie stracks ins Publikum und sprechen ununterbrochen, beschreiben Orte und Personen, entwerfen kurze Szenarien. Von all dem aber schnappt man...
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