Jenseits

Tanz - Logo

Computer sehen und entscheiden anders als Menschen. Unsere Augen suchen stets die Abweichung, um Freund von Feind, Gefahr von Genuss zu unterscheiden. Der Computer, ist er mit einer Video­kamera verbunden, erkennt erst mal nur Ähnlichkeiten. Er kann nicht anders. Für sein Werk casino social stellte der in Berlin bei Thomas Ruff studierte Künstler pablo zuleta zahr eine Kamera in die U-Bahnstation Baquedano seiner Heimatstadt Santiago de Chile. Was der Computer aus den Bildern filtern kann, sind zunächst die Farben von Kleidungsstücken und Accessoires.

Rote Rucksäcke, Pullover und Kleider sortiert er nach einem schon von John Cage verwendeten Verfahren in eine Schublade; blaue Hosen, Hemden und Anzüge in eine andere. Über 8000 Personen ordnet er so in ein aus Streifen bestehendes Bildgerüst. Durch die mathematische Struktur, die der Bilderkennung zugrunde liegt, entsteht etwas, das an eine Notation erinnert. Das Tableau «Männer in Rot» etwa er­zeugt wie in einem guten Ballett nahezu homogene Konstellationen, die sich reiben an der Indivi­dualität der zufällig vorbeispazierenden Passanten. Herausgefiltert und sortiert, zeigt Pablo Zuleta Zahr in «Casino Social» den Widerspruch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2008
Rubrik: Jenseits, Seite 114
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brief aus Salamanca

Ein gepfefferter Leserbrief. Ein Pamphlet in der Lokalzeitung, sehr aggressiv. Unter dem schlichten Titel «Reflexiones sobre el festival de las artes» ballern die Verteidiger des kulturellen Erbes aus allen Rohren. Unerhört, für das Kulturfestival in Salamanca Jahr für Jahr im Hof der Casa de las Conchas, einem venezianisch anmutenden Palast aus dem 16....

Jan Fabre - Another Sleepy Dusty Delta Day

Vor drei Jahren war Jan Fabre als «artiste associé» eng mit dem Festival von Avignon verbunden. Jetzt ist er wieder da mit einem einzigen Stück: dem langen Solo «Another Sleepy Dusty Delta Day» für die Kroatin Ivana Jozic. Das Motiv ist ein Lied, das Bobbie Gentry vor über 30 Jahren schrieb. Es erzählt vom Selbstmord eines jungen Manns, indem er in Mississippi von...

Dance for all

Südafrika. Wellblechhütten, Townships. Das sind Millionenstädte, die in der Apartheid wuchsen. Ausufernde Arbeitermetropolen, endlose Landschaften aus Hütten und Märkten, verbunden mit Eisenbahnlinien und Highways, um Arbeitskraft in Minen und Fabriken zu transportieren. Bis das Fass überlief, und das Geld nach dem Ende der Apartheid aus dem Land floh. Hector...