Art in progress
Alida schließt die Fenster in der Arnulfstraße und lässt die schwarzen Filzvorhänge runter – jetzt können weder das Tageslicht noch die Geräusche aus der nahen Hauptbahnhof-Halle die konzentrierte Stimmung im Probenraum stören. Die sechs jungen Tänzerinnen stellen sich in der Ecke auf, sie sind in sanftes Kunstlicht getaucht, Alida steht zwei Schritte vor den anderen. Die Musik setzt ein, sie tanzt die letzten Züge ihres Solos, dann kommen die anderen nach vorne, und gemeinsam gehen sie eine Schlüsselszene von «Blicke!» durch.
So heißt das Stück, mit dem sie im September beim «Tanztreffen der Jugend» in Berlin gastieren werden. Als Pulk bewegen Alida und die anderen sich durch den Raum, getragen vom wuchtigen Bass der Musik, der aus einem Ghettoblaster dröhnt. Immer wieder wechseln die sechs die Richtung, berühren im einen Moment mit dem ganzen Körper den dunkelgrauen Teppichboden, nur um im nächsten aufrecht zu stehen, die Hände gen Himmel rankend. Die Gesichter sind konzentriert, sie spiegeln die wechselnden Emotionen der Musik wider.
Alexander Wenzlik kniet genau dort auf dem Teppich, wo die imaginäre Bühne aufhört, und verfolgt die Szene mit dem ganzen Körper. Sein Kopf ...
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Tanz August/September 2018
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Leonie Sontheimer
«Slawisches Temperament» liegt ihnen im Blut, und der Bitte des Prager Ballettdirektors Filip Barankiewicz, wenigstens ein Musikstück eines slawischen Komponisten aufzugreifen, wollte sich keiner der drei Nachwuchs-choreografen verweigern: Ondrej Vinklát, Erster Solist des Nationaltheaters und im Nebenberuf Komponist, setzte sich mit einer «Dumka» von Antonín...
Elizabeth Streb «Sea (Singular Extreme Actions)»
In Philadelphia freut sich die STREB Extreme Action seit 40 Jahren über volle Häuser. So versammelte sich deren eingefleischte Fan-Base auch im vergangenen Juni zur Uraufführung von «SEA (Singular Extreme Actions)» im Kimmel Center for the Performing Arts, um im dortigen Perelman Theatre die halsbrecherischen...
Jutta Hell, Dieter Baumann, seit 1995 tanzt Rubato nicht nur in Berlin, sondern auch in Shanghai. Wie hat sich der chinesische Tanz seither verändert?
Jutta Hell: Verändert? Fast gar nicht. Nur die minimalistisch arbeitende Kompanie TAO Dance Theatre ist relativ neu. Sie ist die einzige Newcomerin in China, die sich halten konnte.
Dieter Baumann: Diese Kompanie um...
