Natur macht erfinderisch

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Keine Kunst ist so sehr in der Natur wie die Tanzkunst. Sie ist randvoll mit Physik, Biologie, Chemie, Medizin, Neurologie und Anthropologie. Nur ein einziger Sprung auf die Bretter bedeutet schon eine so komplexe Welt aus Gravitation, Selbstorganisation, Chaos-Theorie, Mnemo-Physiologie, Adrenalineskalation und Biomechatronik, dass man fast schon sagen darf, hier ist gar keine Kunst. In jedem Épaulement steckt das Wunder der Natur, in jeder Kniebeuge eine Zoomorphie aus Evolution und Neuronenfeuerwerk.

Auch jede Choreografie enthält solch natürliche Phänomene, etwa die der Organisationstheorie. Choreografie erscheint zwar als eine dirigistische Ordnungsmacht, erzeugt aber zugleich ein komplexes Bewegungssystem, das sich nach allen Regeln der Chaostheorie tatsächlich auch ganz von selbst reguliert.
Das beeindruckt die Naturwissenschaft, weil Tanz ein auf verhältnismäßig wenige Parameter der menschlichen Anatomie beschränktes, dynamisches und freies, also offenes und unabschließbares System darstellt. Darum kann es auch ein Abbild experimenteller Wirklichkeiten sein. Wissenschaftliche Experimente, sagt Jan Saam, Biochemiker an der Berliner Charité, lassen sich am lebenden Körper, in ...

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Tanz Februar 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
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