Ausgeschlossen

«Wir tanzen nicht mit unseren Unterdrückern.» Von den Schwierigkeiten eines israelisch-palästinensischen Pas de deux. Nach der Organspende eines palästinensischen Kindes an ein israelisches und nach dem Abzug aus Gaza glaubten viele, nun sei die Kunst dran, Brücken zu bauen. Dann kam die Hamas an die Regierung, und Ariel Sharon fiel ins Koma.

Tanz - Logo

Kann Tanz über politische Grenzen hinweg verbinden? Kann er Menschen auf beiden Seiten von Stacheldraht und Betonmauern zusammenbringen? So naiv war die Fragestellung, die mich nach Israel brachte. Gibt es das? Isra­elische und palästinensische Choreografen und Tänzer arbeiten an gemeinsamen Projekten? Schon am ersten Abend in Tel Aviv glaubte ich, fündig geworden zu sein.

Im kleinen Saal des renommierten Suzanne Dellal Tanzzentrums sah ich das Stück «Barefoot», das die querschnittsgelähmte Butoh-Tänzerin Tamar Borer aus Israel gemeinsam mit dem arabischen Interpreten Yousef Sweid entwickelt hatte. Das Paar umwirbt einander, umkreist einander, bekämpft einander, kommt ohne einander nicht aus. Die rührendste Szene: wenn er sie auf seine Schultern hebt, und beide zu einem Wesen verschmelzen. Dieses fragile Gleichgewicht kulminiert in einem arabischen Liebeslied, das sie zweistimmig singen. Ein Araber und eine Israelin, die gemeinsam tanzen! Das konnte doch nur der Anfang vom Ende des Konflikts sein, in dem sich Palästinenser und Israelis seit der Staatsgründung 1948 und dem Sechstagekrieg von 1967 befinden. Doch kaum gefreut, werde ich von der Choreografin und Kazuo-Ohno-Schülerin ...

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Tanz März 2006
Rubrik: Report, Seite 68
von Frank Weigand

Vergriffen
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