Aufruf: Die Tanzgräfin

Tanz - Logo

Jeder kennt das: Da bezeichnet sich eine Tänzerin als Tänzerin Schrägstrich Choreografin. Denn tanzt sie ein Solo, das sie selbst erarbeitet hat, ist sie sowohl Autorin wie Interpretin. Liest man also das etwas umständliche «die Tänzerin und Choreografin Yoshiko Waki», ist das weniger dem stolzen Selbstverständnis geschuldet, beides zu können: zu kreieren und gehorchen, sondern der Tradition.

Einst war der Tänzerkörper vor allem «Material», der Choreograf gern von gesetzterem Alter und vor allem der Urheber.

Von dieser Unterscheidung macht die Praxis immer seltener Gebrauch. Tänzern wird längst zugestanden, Ko-Choreografen zu sein, die eigenen Ideen einzubringen und selber zu improvisieren. Der Einzige, der dies noch nicht einsieht, ist der Gesetzgeber. Der kann sich den Tänzer nur als abhängig beschäftigtes Wesen vorstellen. Weil dies aber auf einen immer kleiner werdenden Personenkreis zutrifft, blieb den Tänzern nichts anderes übrig, als selbst als Autoren aufzutreten – obwohl sie weiter selber tanzen.

In diese wie in alle vom Staat geschaffenen Grauzonen hat sich nun der Vorschlag eingeschlichen, mit der Trennung vollends Schluss zu machen. Tanzkünstlerin ist ein netter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2009
Rubrik: Beruf: Tänzer, Seite 51
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ausbilden - Die Tanzuni

Können Sie sich noch an Ihre eigene Lehrzeit erinnern? Gab es einen Lehrer, der besonders prägend für Sie war?                                                                                                  Ich kann mich an eine Lehrerin erinnern, die mir sehr viel bedeutet hat. Nicht durch den Unterricht, den sie gab. Sie hat mir vielmehr gezeigt, dass sie an...

Brief aus Prag

Am Bahnhof vorn am Eingang dreht der chinesische Obstverkäufer jede Erdbeere mit Spitze nach oben wie eine kleine Kanone. Im Postkartenständer prunken Fotos der berühmten Karlsbrücke, die mit vielen Heiligenfiguren bestückt und ansonsten menschenleer ist, beschienen von güldener Sonne. Prag, die Goldene, hat diesen leutelosen Anblick außer am allerfrühesten Morgen...

Michael Jackson

Michael Jackson, das Pop gewordene Paradox, der androgyne Held der Ambivalenz. Zugleich aggressives Sexsymbol und luftgeisterhaft asexuell, ein Show-Protz und perfektionistischer Bühnenasket, der ohne Rücksicht auf die eigene Person für jeden Auftritt alle Register zieht. Der lebenslange Versuch der Synthese aller amerikanischen Widersprüche und unerreicht...