Olga de Soto

In «histoire(s)» (Erinnerungen an «Le jeune homme et la mort») konfrontiert Olga de Soto als Choreografin den Tanz mit einer mehr reflexiven Annäherung an den Tanz. Auf scheinbar einfache Weise erzählt dieses Stück alles über die Anziehungskraft von Tanz als Erinnerungsarbeit

Tanz - Logo

Tanzvorstellungen sind flüchtig. Jeder Tanzliebhaber weiß, dass Details eines Stücks manchmal schon nach einigen Stunden verflogen sind. Monate oder Jahre später bleibt auf dem Grund der Erinnerung oft nur der Bodensatz einer Stimmung, eines persönlichen Gefühls oder eines auffälligen Details. Natürlich halten Rezensionen und Betrachtungen etwas von dem fest, was auf der Bühne zu sehen war, aber auch das sind nur nachträgliche Interpretationen.

Sie spiegeln vor allem wider, was sich zwischen Bühne und Zuschauerraum abspielte, wie die Vorstellung auf den Zuschauer wirkte, und nicht, wie sie tatsächlich aufgebaut war. Sogar eine Videoaufnahme kann diese Wirklichkeit niemals wieder herstellen. Jede Aufzeichnung versetzt den Zuschauer in eine passive Rolle: Die Wahl von Blickrichtung oder Fokus geschah durch den Regisseur, sodass die Beteiligung am Film geringer ist als im Theater. Eine Aufzeichnung verändert auch die Art des Geschehens: ein Bild, aufgebaut aus Pixels, ersetzt lebendige Körper, mit all ihren unbestimmten, kleinen, aber so wichtigen Details. Das führt zu einem qualitativ anderen Sehverhalten. Und schließlich, der Eventcharakter einer Vorstellung ist verschwunden: als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2005
Rubrik: Forgotten Memories, Seite 32
von Pieter T’Jonck

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schöne Spinner

Der Preis ist längst wieder abgeschafft. Aber seine Konsequenzen kommen erst im Nachhinein richtig zum Tragen. 2003 hat sich Marco Goecke in Hamburg mit «Blushing» den Prix Dom Pérignon verdient und damit die Chance eingehandelt, für das Hamburg Ballett kreativ tätig werden zu können. Das hat der Choreograf aus dem Umfeld des Stuttgarter Balletts inzwischen auch...

Hugging 5000 in 15 hours

Donna Uchizono is an intelligent choreographer who can create intoxicatingly beautiful dances, but whose conceptual underpinnings sometime overwhelm her deliberate, often introverted movement. “Approaching Green,” a premiere performed at New York’s Danspace Project, was packed with so many ideas and production elements that the dancing wound up playing a supporting...

Casino by Superamas

Ein weiter, hoher Studioraum, der mit schwarzem Tanzboden ausgelegt ist, drei niedere weiße Podeste um eine großzügige Freifläche, auf einem davon steht eine bequeme Couch, auf der gleich jemand erschossen wird. Im Hintergrund eine Bar. Im Choreographic Centre Linz (CCL), das gerade seinen zweiten Geburtstag mit einer Aufführungsreihe unter dem Titel...