Freiburg: Antonia Baehr «Exit»
Antonia Baehr ist ein Schelm. In ihrer neuen Arbeit, die am Frankfurter Mousonturm Premiere feierte, gibt die Berliner Choreografin vor, eine Lecture Performance über Notausgangslichter, Theaterbrände und Panik zu halten. Aber nur, um die große Kunst des Lächerlichen zu entfalten, die auch ohne Feuer Panik verbreiten kann. In breitem Globish heißt Baehr ihr Publikum willkommen, um mit ihm, wie sie sagt, «the unconscious of the theatre» zu behandeln. Sie deutet auf die mit dem Wort «Exit» markierten Notfallleuchten, die ihrem Solo das einzige Licht spenden.
So dauert es ein paar Minuten, bis sich die Augen ans Dunkel gewöhnen und auf der Bühne, hinter einem Pult, den nackten Körper von Baehr verorten. Baehr spricht Texte, die sie, ähnlich wie in früheren Arbeiten, etwa «Abecedarium Bestiarium» (tanz 8/13), von Freundinnen und Freunden erhalten hat. Sie referiert, dass die bekannten grünen Exit Lights mit dem weißen Männchen, das zur Tür hinaussprintet, in den 1970er-Jahren vom japanischen Designer Yukio Ota entworfen wurden, hundert Jahre nachdem in den 1880er-Jahren mehr als zweihundert Theater wegen mangelnder Sicherheit in Flammen aufgingen – notorische Berühmtheit erlangte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2018
Rubrik: Kritik 5/18, Seite 42
von Georg Döcker
Das letzte Schaltjahr oder Leap Year war 2016. Der Libanonkrieg fand 2006 statt. Zehn Jahre lang, von der Bombardierung Beiruts am 12. Juli 2006 durch die israelische Armee bis zum 31. Oktober 2016, dem Tag, an dem der Libanon wieder einen Präsidenten hatte, führte Rabih Mroué ein recht eigenartiges Tagebuch. Der bald darauf nach Berlin emigrierte Choreograf,...
Newcomer: Margarida Neto
Zumeist trägt diese Frau Spitzenschuhe – und ragt dann regelrecht gen Bühnenhimmel. Zudem lässt sich selbst noch auf Fotos etwas Außergewöhnliches bewundern: ihre wahnsinnige Extension, stehend im Überspagat, mit keck vorgeschobener Hüfte – manchmal auch ein schräg gerecktes Bein, das wie eine verführerische Waffe um wenige Zentimeter am...
Dessau und Mainz: «Das Bildnis des Dorian Gray» von … Tomasz Kajdański
Dieses tapfere Ensemble hat zwar Sparrunde um Sparrunde überlebt, ist allerdings auf nur noch acht Mitglieder geschrumpft. Direktor Tomasz Kajdański hält dennoch unbeirrt daran fest, dem Publikum große Geschichten zu erzählen – im Bedarfsfall eben mit ein paar Gasttänzern, die das...
