Béjart Ballet Lausanne: «Le Tour du monde en 80 minutes»
Maurice Béjart gehörte in Lausanne zu Weihnachten wie Eier zu Ostern. Im Advent pilgerte man gern zu seinen immer ausverkauften Vorstellungen, trank in der Pause ein Glas Champagner. Jedes Jahr ein neues Stück, das war sein Geschenk an die Stadt, seine Heimat seit 1987. Diesmal ist alles anders: der Maître starb vier Wochen vor der Uraufführung. Im Théâtre de Beaulieu ist die Stimmung geladen: «Le Tour du monde en 80 minutes» ist des Meisters letztes Werk. Seine Stimme ist zwar präsent, sie untermalt zwei Szenen. Er aber fehlt.
1800 Zuschauer fühlen sich einsam, trotz frenetischem Applaus. Japanische Fernsehleute filmen nach der Vorstellung weggewischte Tränen.
«Sein Schatten weilte unter uns», tröstet am Tag danach die regionale Tageszeitung. Und der Zürcher Tages-Anzeiger, der sonst der Westschweizer Kultur kaum eine Zeile widmet, titelt: «Maurice Béjarts wunderbares Restemenü». Nun, Reste können sich ja unter den Händen geschickter Kochkünstler in wunderbare Mahlzeiten verwandeln. Hier wirken jedoch die verschiedenen Tableaux aufgewärmt – sowohl im besten als auch im schlechtesten Sinn des Worts. Von den zwölf Bildern (jedes ist einem Land gewidmet) sind nur einige wenige von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie lässt sich eine deutsche Tanzplattform mit einer international agierenden Kunst wie Tanz vereinbaren? Gibt es eine nationale Tanzsparte überhaupt? Es geht um die Förderung von Tanz in freien Produktionsstrukturen. Die Tanzplattform 2008 in Hannover zeigt Kompanien mit Deutschland als Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Ungeachtet der Staatsangehörigkeit sollte die...
Wayne McGregor’s new ballet “Chroma“ made only a handful of scheduled appearances at the Royal Opera House, Covent Garden, in the winter of 2006. The piece was the first item on a Saturday matinee triple bill which included the first show-ing of Christopher Wheeldon’s “DGV” and it seemed inevitable to most pundits that the Wheeldon ballet would grab the press...
Seelsorge auf VA Wölfls Bühne: Es ist nicht gut für die Moral, schlechten Tanz oder schlechte Kunst zu sehen. Deshalb darf man jetzt anrufen bei Neuer Tanz und sich trösten lassen. Ein Schein-Angebot aus der Bühnenrealität. Ein Tänzer säuselt die Offerte ins Mikrofon, die doch selber Teil einer Performance ist und damit Spott und Hohn für all die Ratlosen und...
