Die Lehrerin: Germaine Acogny
In welchem Zusammenhang steht die Natur im Umfeld der École des sables, die im Süden von Dakar gleich neben den Ausläufern der Savanne liegt, mit Ihrer Lehrmethode?
Als wir die Schule eröffneten, lag sie noch mitten in der senegalesischen Wildnis. Inzwischen werden wir langsam von der Zersiedelung der Landschaft eingeholt. Deshalb haben wir und Freunde aus Europa Land aufgekauft, um weiter auch in der Natur tanzen zu können.
Alle Grundfiguren meiner Technik, die stark mit der Wirbelsäule arbeitet, tragen Namen aus der Natur: die Seerose, der Frosch, der Baobab … Wir gehen auch mal Tiere beobachten und kreieren dann, von deren Bewegungen ausgehend, Tänze. Genauso spielen Alltagsbewegungen, wie sie bei der Ernte oder der Arbeit mit dem Mörser anfallen, eine Rolle. Dafür ist es wichtig, dass wir im Kontakt mit dem Fischerdorf Toubab Dialaw stehen.
Die Wirbelsäule spielt in Ihrer Technik eine besondere Rolle?
Alles geht von der Wirbelsäule aus. Sie beeinflusst die Arme und Beine, die Gestik und den Fluss der Bewegungsabläufe. Sie ist der Lebensbaum. Meine Grammatik der Wirbelsäule fußt auf Kontraktion, Tremor und Ondulation. Wir trainieren alle umliegenden Muskeln und benutzen sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2013
Rubrik: praxis, Seite 74
von Thomas Hahn
screening_________
arte im «sacre»-fieber
So viel «Sacre» war nie, das gilt natürlich auch für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte. Am 26. Mai ist dort die Dokumentation «Sacre du printemps – Frühling im Herbst» zu sehen: Denis Sneguirev und Philippe Chevalier haben mit der Kamera beobachtet, wie der Choreograf Thierry Thieû Niang aus dem Opferritual ein...
historie_________
tanz im kalten krieg
hat Konjunktur, zumindest bei englischsprachigen Autoren. Rebecca Kowal verknüpft Tanzhistoriografie, American Studies und Performance-Theorie anhand der Werke zehn amerikanischer Choreografen. So gibt Anna Sokolows «Rooms» von 1955 Aufschluss über die Vereinsamung moderner Großstädter, ebnen Merce Cunningham und Paul Taylor...
Ist «Sacre» wirklich das Skandalballett des letzten Jahrhunderts? Béla Bartóks «Der wunderbare Mandarin» von 1924 war da doch deutlich sicherer im Milieu als Strawinsky. Böse Buben rauben mit Hilfe einer Nutte geile Freier aus – bis ein gewisser Mandarin auftaucht, der das Mädchen auch dann noch begehrt, als die Banditen ihn erstochen haben. Seine ewige...
