berlin: walter bickmann «icon»
Niemand erlebt so viel zeitgenössischen Tanz wie er: durch die Kamera. Gut 300 Trailer sieht man auf tanzforumberlin.de; die Interviews und Stückausschnitte der letzten Jahre: nicht als Surrogat dessen, was vom Tanz bleibt, sondern was er mal war – skulpturales Körperdenken, wie es das Bild des zeitgenössischen Tanzes bestimmt. «Icon» meint darum: das Heiligenbild dieser Kunstübungen.
Der klassisch trainierte Walter Bickmann, der am Ballett der Wiener Staatsoper tanzte, dann bei Johann Kresnik in Berlin und in der freien Szene als ihr Bildschöpfer zu Respekt und Anerkennung kam, wirkt stets wie ein Dienstleister. Still in der ersten Reihe schwenkt und zoomt er konzentriert im Auftrag des Berliner Senats fast jeden Abend seine Kamera über die hiesigen Bühnen. Noch in derselben Nacht schneidet er aus der Stunde Material einen Mehrminüter, der deutlicher die Wahrheit freigibt als jede noch so wohlwollende Rezension. Wer in Berlin zum Tanz will, schaut erst bei Bickmann rein, ob sich’s lohnt.
Seine Stärke ist die völlige Abwesenheit von Ironie. Seine eigene choreografische Kunst: Bilder ohne doppelten Boden, fulminante Hingabe an das Handwerk. Sauber, möchte man sagen, aber so ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: kalender, Seite 34
von Arnd Wesemann
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