luzern: irina müller «on pleasure and fear»
Rote Marmelade ist ein Zeug, das gewisse Zeitgenossen bereits am Morgen in ihren Körper befördern können. Es riecht nicht mal besonders und enthält so viel Zucker, wie man zum Einkochen braucht. Bei künstlerischer Anwendung erinnert rote Marmelade an Blut und gilt als profanstes Mittel, um Stichverletzungen, Schusswunden und dergleichen zu simulieren. Was Irina Müllers großen Einfall zu dieser beim Berliner Festival «Tanz im August» uraufgeführten Performance wohl am meisten befördert haben mag: Das Zeug schmeckt ihr. «Pleasure» also.
«Fear» wäre demnach die Blutassoziation und bietet eine sonst eher von älteren Avantgardisten wie Jan Fabre bevorzugte Ekelseite. Nicht zu verachten ist: Die Glaskonserve ist schön billig. Wenn nun Irina Müller ihre Finger in die Marmeladentöpfe von Therese Markus und Kotomi Nishiwaki steckt, darf man erotisch denken, zumal sie einander schön küssen und sich gegenseitig die Soße vom Arm und aus dem Nacken schlecken. Das Fürchterliche aber lässt nicht lange auf sich warten. Peinlich geht der Klumpatsch zu Boden und tropft auf T-Shirts, die sofort den gewünschten Effekt tiefer Verletzung annehmen.
Marmelade ist ein idealer Partner fürs Drama: «Ab wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
im Untertitel vereint «Telos», wie sich Ihre Schule nennt, «Tanz & Therapie». Wie kam es dazu? War die Kombination eine Folge Ihrer persönlichen Entwicklung?
Meinen Berufsweg haben mehrere Lehrer beeinflusst. In Stuttgart ging ich bei Ida Herion in die Schule, die in ihrer Tanzerziehung ein Schwergewicht auf Kunst und Gesundheit setzte. Die «Core-Arbeit», Arbeit...
...landete 2008 in Essen mit «Leonce und Lena» einen veritablen Erfolg. Die Kritikergilde war überwiegend entzückt von seinem Versuch, Georg Büchners Satire in Tanz zu übersetzen. Zumal bei einer literarischen Vorlage, in der herzlich wenig Handlung stattfindet, dafür jede Menge höfisches Gelangweiltsein. Das geht, indem man streng stilisiert, bis hin zu...
– dieses Versprechen macht derzeit die Hayward Gallery im Londoner Southbank Centre noch bis zum 9. Januar nächsten Jahres. Der Besucher dieser Ausstellung wird interaktiv durch Installationen unter anderem von Simone Forti, William Forsythe und Trisha Brown bewegt, zeitgleich durchschreitet er fünfzig aufregende Jahre Tanzgeschichte. «Schaust du noch, oder tanzt...
