Auf Wanderschaft
«Das Staatsballett ist ein aufregendes kosmopolitisches Ensemble mit Tänzern aus 32 Nationen»: Genau wie die Münchner sind alle anderen deutschen Kompanien stolz auf ihre Internationalität – ohne die zuwandernden oder eine Zeit lang hier arbeitenden Tänzer gäbe es keinen Bühnentanz in Deutschland. Was heute völlig selbstverständlich unter das Stichwort Globalisierung fällt, hat eine erstaunlich lange Tradition.
Ballett ist die Kunst der Emigranten, sie standen auch im Zentrum seiner drei wichtigsten historischen Aufbrüche: Der Franzose Marius Petipa führte am russischen Zarenhof den Klassizismus auf den Höhepunkt, der Russe Sergei Diaghilew schuf mit seinen Ballets russes von Paris aus ein Laboratorium der Avantgarde, der Georgier George Balanchine begründete in den USA die Neoklassik. Keiner der drei hat diese epochemachenden Veränderungen in seinem eigenen Land bewirkt, keiner von ihnen ist in seiner Heimat gestorben oder beerdigt.
Das Mariinsky, das Bolshoi und das New York City Ballet sind heute so ziemlich die letzten noch übrig gebliebenen Kompanien mit einem eigenen Nationalstil: Sie gründen auf der Kunst von Ausländern. Das Traditionsrepertoire des Königlich Dänischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 110
von Angela Reinhardt
Seine Heimatstadt Tsingtao am Gelben Meer im äußersten Osten Chinas war einst deutsche Kolonie. Ihren energiegeladenen, tanzfreudigen Sohn Wei schickten die Eltern auf die Beijing Dance Academy, wo er eine solide siebenjährige Ausbildung erhielt: klassischen und modernen Tanz, internationale Folklore. Danach tanzte er sieben Jahre im National Ballet of China:...
hat ein hintergründiges, wissendes Lachen. Eben noch probte der 29-Jährige in Alexander Ekmans Choreografie «Cacti» mit Rebecca Horner an der Wiener Staatsoper, davor frischte er den Blockbuster «Don Quixote» auf. Seit 2007 ist er am Staatsballett Wien engagiert und tanzt viel Repertoire, aber auch Natalia Horecnas Kreation «Contra Clockwise Witness». «Ich bin...
Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....
