Gerald Siegmund über Forsythe
In seiner über 40-jährigen Karriere als Choreograf hat William Forsythe eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Ich kenne keinen anderen Choreografen, dessen Werk sich durch beständiges Bearbeiten und Befragen des Tanzes derart radikal gewandelt hätte wie das von Forsythe. Ruft man sich seine frühen spektakulären, auf der Neo-Klassik basierenden Ballette in Erinnerung, scheinen sie nichts mehr mit jenen bescheiden daherkommenden offenen Formen zu tun zu haben, die Bill heute choreografiert und zeigt.
Er hat radikal andere Formen des Zusammenseins und Zusammentanzes entwickelt, die zeitgenössischer sind als vieles, was mir in der freien Szene begegnet. Auf der einen Seite hat er das klassische Ballett einer konsequenten Analyse von innen unterzogen und ihm so ungeahnte Bewegungsmöglichkeiten eröffnet. In intensiver Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern hat er den Ballettkörper gleichsam aufgefaltet und ihm durch Verschiebungen der Bewegungszentren, der Bewegungsimpulse und der Koordination der Gliedmaßen eine neue Gestalt gegeben. Auf der anderen Seite hat der das Ballett von außen mit anderen Formen des Wissens zusammengebracht, um so die choreografische Syntax ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 26
von
Kiri Haardt war in den 1990ern eine der wichtigsten Protagonistinnen des Bremer Theaters unter Susanne Linke und Urs Dietrich. Die mittlerweile 53-Jährige tanzt immer noch, außerdem lehrt sie an der Hochschule der Künste in Bern. Haardts Tochter Geraldine Rummel ist 18, bereitet sich auf das Abitur vor und engagiert sich bei der Jugendsparte «Junge Akteur*innen»...
Entdeckung: Bauhaus Ballet
Die üblichen Stehaufmännchen finden sich nicht in dem Buch. Auch sind es im «Bauhaus Ballet» erst einmal ein paar Tänzerinnen, die sich in Positur stellen. Aber ihre Röcke, ganz offensichtlich vom «Triadischen Ballett» eines Oskar Schlemmer inspiriert, lassen sich auf verblüffende Weise drehen. «Twist!», «Turn!», «Twirl!», «Whirl!» heißt...
Boom boom boom brüllten sie, die Studiosi von Princeton, die sich 1883 an irgendeinem Spielfeldrand postierten, um ihre sportnärrischen Kameraden anzufeuern. Thomas Peebles war einer von ihnen, und als der wenig später an die Universität von Minnesota wechselte, steckte sein Animationsfuror einen Medizinstudenten namens Johnny Campbell an. Der junge Mann schrieb...
