Im Wald der Historien
Als der deutsche Filmpionier Max Skladanowsky 1895, im Geburtsjahr des Kinos, gemeinsam mit seinem Bruder ein erstes Programm kurzer Filmszenen zusammenstellt und im Berliner Varieté Wintergarten vorführt, entscheidet er sich neben artistischen und zirzensischen Darstellungen auch für einige Tanzfilme. Man sieht das Kinderpaar einer Artistenfamilie bei einem «sizilianischen Bauerntanz». Das Ensemble Die drei Tscherpanofs tanzt den russischen «Kamarinskaja» und eine junge Frau, die ein wallendes Schmetterlingskostüm trägt, führt einen Serpentintanz vor.
Das Kino in seiner Geburtsstunde. Von Anfang an ist es das Medium der Bewegung – auch des Tanzes. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit können bewegte Bilder gezeigt werden, kann der menschliche Körper aus der Starre der Malerei, der Bildplastik und der Fotografie heraustreten. Nur die schweren Kameras selbst sind noch nicht so beweglich, noch gibt es nicht mal Kameraschwenks.
Aber die Geschichte beginnt. Tanz ist weder im Dokumentarischen noch im Spielfilmgenre wegzudenken – sowenig wie die großen Tanzstars. Rudolph Valentino etwa. Als er im Oktober 1921 im Alter von knapp 25 Jahren erstmals auf der Leinwand erscheint, ist ...
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Eine junge Frau geht die Straße entlang. Eigentlich tänzelt sie fast. In den Händen hält sie einen Vorschlaghammer. Die Kamera zeigt die Frau auf dem Gehweg, rechts von ihr am Straßenrand die lange Reihe geparkter Autos. Im Gehen holt sie immer wieder aus. Scheiben splittern – Pipilotti Rist inszenierte so einen wahren Scherbentanz. Noch Performance, schon...
Es ist fast aus den Schlagzeilen verschwunden, das große Kompaniesterben. Vielleicht, weil sie so leise weinen, dass sie einem nicht mal Leid tun. Freiburg, Heidelberg, Eisenach stehen auf der Kippe, und beinah: Saarbrücken. Bis die Meldung kam, dass die dortige Ballettintendantin Marguerite Donlon ihren Vertrag bis 2009 verlängert, weit über die Amtszeit ihres...
Bruno Beltrão wurde schon früh als Wunderknabe gefeiert. Gerade mal 24 Jahre alt, hat der Brasilianer schon eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Mit 16 tanzte er in seiner eigenen Streetdance-Kompanie. Mit 20 wechselt er von der Straße zur Uni: Er studierte Kunst- und Tanzgeschichte, las Nietzsche und Aristoteles. So fiel er von der reinen Lehre ab und erschuf...
