Wozu braucht es hier noch einen Mann?
Da steht sie, aufrecht und schmal, schlichter schwarzer Anzug, flaches Schuhwerk, die Arme links und rechts um ihre Tänzerinnen geschlungen. Festen Schritts tritt sie an die Rampe und nimmt die Ovationen ihres Publikums entgegen. Dennoch, ein skeptischer Blick über die Scheinwerfer hinweg streift das Parkett, der Hauch eines Lächelns spielt um ihre Lippen.
Draußen, im Foyer des Wuppertaler Schauspielhauses, hängt das Bild einer anderen Frau, die doch dieselbe ist.
Vor 42 Jahren ist es aufgenommen, im Folkwang-Studio, und zeigt Pina Bausch mit allen Insignien der fashionablen Sixties: ein Lidstrich à la Callas, darüber elegant geschwungene Augenbrauen, falsche Wimpern und ein sinnlicher Mund, wie ihn Audrey Hepburn als Holly Golightly zum «Frühstück bei Tiffany’s» spazieren führt.
42 Jahre, das sind zwei Generationen oder ein halbes Menschenleben, in diesem Fall aber vor allem an die fünfzig Stücke, die sich ein festes Publikum erobert haben. Spielzeit um Spielzeit fiebern Bausch-Enthusiasten der neuen Kreation entgegen, während die gemäßigten Bewunderer seit einigen Jahren Ermüdungserscheinungen ausmachen. Zu Recht, zu Unrecht? Sowohl als auch. Wer das wie immer namenlose «Stück ...
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Das Licht schält sie sanft, fast nachsichtig, aus dem Dunkel heraus. Zwei Figuren, sie vorn, er hinten, in zwei Welten. Dazu klackert, schabt und hallt es in der elektronischen Klangkulisse. Als blicke man in eine entfernte Zeit, einen fremden Ort; zerfallen und vergessen sind Alltag und Leben. Die Frau im knielangen goldbraunen Kleid reckt ihr Gesicht suchend,...
Im schlichten T-Shirt mit «Merce 50»-Aufschrift und dunkler Hose sitzt sie in der ersten Reihe des Tanzquartier Wien. Aufmerksam verfolgt sie die Probe zu ihrer Performance «RoS Indexical», unterbricht gelegentlich, um den Tänzerinnen Anweisungen zu geben. «Da ist sie also, die große Yvonne Rainer.» Was für eine Aufregung herrschte am Tag zuvor im Tanzquartier....
Auf den ersten Blick unterscheidet sich ihr Unterricht nicht von dem anderer Ballettpädagogen. Erst wenn man genauer hinschaut, ist vieles anders: die Zeit, die sie sich für die «Stange» nimmt, die Unnachsichtigkeit, mit der sie immer wieder die ers-te Position korrigiert. Bis alles im Lot ist. Christina Bernal, klein von Gestalt, aber unübersehbar im Ballettsaal,...
