Angst und Geometrie
Die Vergangenheit könnte die Zukunft, das Gestern auch das Morgen sein. Im Science-Fiction-Genre sind solche verwirrenden Gedankenspiele längst bewährter Hirn-Thrill, und dank des eigenwilligen Verständnisses eines TANZFONDS ERBE-Projektes stürzt nun auch die Bewegungssparte durch ein Wurmloch im Tanzall. In Bielefeld ließ man sich von der seit jeher Gerhard-Bohner-entflammten Nele Hertling überzeugen, dessen 1990 entstandenes Stück «Angst und Geometrie» einzustudieren und im Rahmen des vierteiligen Abends «Past Forward» herauszubringen.
Eine bizarr-beunruhigende Choreografie, mit Frauen in nonnengrauen Kleidern und blutrot gefärbten Waden, die gemeinsam mit puppenhölzernen Männern historische Hof- und Folkloretänze zitieren, als sei deren strenges Formexerzitium ein Sedativum gegen die Furcht. Eigentlich eine völlig abstruse Angelegenheit, aber den Bielefeldern gelingt ein Wunder: Mit Ernst und Sensibilität hauchen sie Bohners streng reglementierten Phobien-Körpern anrührendes Leben ein. Und mit seiner anachronistischen «Angst und Geometrie» im Leib beamen sie sich dann in die Gegenwart, tanzen Choreografien von Zeitgenossen.
Bielefelds Tanzchef Simone Sandroni erzählt in ...
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Tanz Juni 2018
Rubrik: Traditionen, Seite 61
von Nicole Strecker
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