Kompanie des Jahres: Ballett am Rhein

Martin Schläpfer konnte der Stadt Düsseldorf das Versprechen auf ein 20 Millionen teures Balletthaus entlocken. Aber dafür arbeiten er und seine 48-köpfige Kompanie auch wie die Berserker: 50 hervorragende Ballette sind seit 2009 in Düsseldorf und Duisburg entstanden.

Tanz - Logo

Kurze Beine, dicke Muskeln, blassrosa Haut. Ein langer Männerhals, ein kompakter Frauen-Brustkorb. Eine «Catwalk Company» sind sie nicht gerade. Stehen sie beim Applaus in Reihen und wandert der Blick die Körper und Gesichter entlang, ist es, als stolpere er immerzu: Hinab zur winzigen und hinauf zur hünenhaften Gestalt, vom orangeroten Ballettdutt über den kahlrasierten Schädel zu ölig gegelten Locken. Lauter Charakterköpfe, Charakterkörper.

«Schöne Mädchen, schöne Jungs – das interessiert mich überhaupt nicht», verkündet der Chef der Truppe, spricht man ihn auf den «Look» seiner Kompanie an. Was nicht heißt, dass es nicht auch bei ihm jene Ballett-Beaus und -Beauties gibt, die einen «Agon» von George Balanchine gut aussehen lassen und jeden Hans van Manen mit angemessen komplizierter Attraktivität einlösen. Und doch: Beim Ballett am Rhein wird das konventionelle Ebenmaß zum Anti-Ideal. Einzigartig – nur das zählt. Achtundvierzig- mal einzigartig. Welch überwältigender Anspruch.

Seit vier Jahren also wird in Düsseldorf/Duisburg dem Individualismus, der radikalen Subjektivität gehuldigt, und auf dieser Basis tatsächlich zeitgenössisches Ballett kreiert. Wenn schon die Gegenwart ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Die Saison 2012/13, Seite 138
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
Sammler-Herzen

Eigentlich war der Rahm längst abgeschöpft. Schon 2012 hatte die erste, sensationelle Versteigerung in Lausanne etwa sechs Millionen Euro erbracht, siebenmal mehr als erwartet. Aber Serge Lifars Hinterlassenschaft scheint schier unerschöpflich: Der Mann sammelte, was er nur kriegen konnte, und warf kaum etwas in den Müll. Der Tänzer, Choreograf und langjährige...

Der Komplize: Herman Sorgeloos

Anne Teresa De Keersmaeker, Herman Sorgeloos, wie kamen Sie beide zusammen?

Herman Sorgeloos: Alles begann mit dem «Kaaitheater Festival» in Brüssel und der Premiere von «Rosas danst Rosas» im Théâtre de la balsamine. Der damalige Festivalleiter Hugo De Greef schlug mich Anne als Fotograf vor, weil er meine Fotos von Jan Decortes «Mauser/Hamletmachine» kannte und...

Tänzer des Jahres: Stuttgarter Männer

«Wir bräuchten dringend einen Prinzen. Aber die sind alle in Stuttgart», stöhnte der Manager eines großen deutschen Opernballetts. Und aus Stuttgart bringt sie so schnell keiner weg, obwohl sich die männlichen Stars hier auf die Füße treten. Deshalb verwundert es nicht, dass die Herrenriege auch bei der aktuellen tanz-Umfrage das Feld klar dominiert. Seit Jahren...