Antwerpen on tour
Philippe Decouflé, vor zwei Jahrzehnten noch Frankreichs inoffizieller Zeremonienmeister für alle möglichen Anlässe, schlägt sein visuelles Zauberbuch auf. Er zieht jede Menge schillernder Figuren hervor und dreht einen der größten Mythen durch die Revue-Mühle: Faust! Wen bitte? «Faust, eine deutsche Legende von Friedrich Wilhelm Murnau» heißt es im Informationsmaterial zum Stück. Von «West Side Story» bis Harlem Shake, von Bollywood bis zu Jacques Demy, von Ettore Scola bis Charlie Chaplin werden Referenzen aller Art bemüht. Nur nicht Goethe.
In Decouflés Hexenküche brodeln erotische Fantasien. Engel schweben an Elastikseilen, Gottes Pupille füllt die Rückwand sonnengroß, Magier machen sich über ihre eigenen diabolischen Tricks lustig. Rockstar Nosfell gibt den Mephisto, Cabaret-Kostüme glitzern. Das Paradies wird von römischen Göttern bevölkert, auf dem Parkett des Ballsaals fahren sie Rollschuh oder tanzen Rock ‘n‘ Roll. Der schlaksige Christophe Salengro, als neckischer Entertainer seit dreißig Jahren treu an Decouflés Seite, setzt mit Grimassen Akzente. Warum aber heißt es so nichtssagend «Contact»? Es müssen die Zündkabel zwischen Unter- und Oberwelt gemeint sein, die zur ...
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Tanz März 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
ist eine relative Größe. Wer oder was stark ist, lässt sich regelhaft nur anhand von Vergleich und Wettbewerb ermitteln. Es sei denn, jemand fällt von vornherein derart aus dem Rahmen, dass sich das Maßnehmen erübrigt. Sabine Kupferberg (Seite 14) ist so ein Fall. Robyn Orlin auch (Seite 22). Und Germaine Acogny ebenfalls (Seite 27). Tänzerin die Erste,...
Sabine Kupferberg, es gibt eine Arthaus-DVD, die Sie als «A Woman of a Thousand Faces» ausweist, Sie selbst nennen sich darin «ein Kind der Liebe». Das mit dem «Kind der Liebe» war von mir eine etwas naive Vorstellung, als ich noch jünger war. Es ist insofern auch nicht falsch, als sich meine leiblichen Eltern tatsächlich liebten, obwohl sie anderweitig gebunden...
Wien. Soeben nahm John Neumeier an der Staatsoper seinen Doppelabend «Josephs Legende» und «Verklungene Feste» aus dem Jahr 1977 wieder auf. Zwar nur für kurze Zeit. Dafür in erneuertem Gewand. Damals war der fantastische Fantasyfürst und Maler Ernst Fuchs der Ausstatter beider Ballette. Heute macht John Neumeier das lieber selbst. Für Bühne und Licht notiert der...
