Berlin: «Sunny»

emanuel gat

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Ein Paradox? Wer in der einzigartigen, der zeitlosen Stadt Venedig eintrifft, steht sogleich unter dem Eindruck einer eklatanten Hässlichkeit: Tausende verschwitzter, erschöpfter, orientierungsloser Besucher irren, im uniformen Look des weltweiten Massentourismus, zwischen Bergen herumstehender Gepäckstücke durch den Hauptbahnhof, die Stazione di Venezia Santa Lucia. Dieser nervtötende Kuddelmuddel bildet gewissermaßen das Vorspiel zum eigentlichen Erlebnis der prunkvollen, janusköpfigen «Serenissima», die ihre im Verfall begriffenen Schätze zu ignorieren scheint.

Symptomatisch: die gigantischen Kreuzfahrtschiffe, die einem am unteren Ende des Canal Grande gnadenlos die Sicht auf die Stadt versperren.

Bei der «Biennale Danza» wurde im Teatro alle Tese eine Choreografie ausgezeichnet, die in ganz ähnlicher Weise zwiespältig anmutet: Emanuel Gats Kreation «Sunny». Warum zwiespältig? Weil das, was zunächst im Fokus des Stücks zu stehen scheint, plötzlich fallen gelassen und das Publikum von Gat in eine völlig andere Richtung geleitet wird. Gats eigenen, schlichten Anmerkungen zu «Sunny» entnehmen wir, dass er mit seiner Choreografie – im Schulterschluss mit dem live auftretenden ...

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Tanz August/September 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 34
von Silvia Poletti

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