La Ribot «Another distinguée» in Madrid
Eins muss man ihr lassen. 23 Jahre blieb sich die in Genf lebende Spanierin selber treu. Sie macht, was sie immer tat, auch wenn eine in den 1990er-Jahren geborene Zuschauerin genervt ausruft: «Das ist ja so was von Neunziger!». La Ribot mit feuerroten Locken und der Konzentration einer Zirkusdompteurin ist bekannt für ihre «distinguierten Stücke», kleine Aktionen, die sie streng durchnummeriert mit Titeln versieht wie «Pièce distinguée n°50, Super Romeo Music: Refraction I, No inc, (Materiel Object and Atom™)».
Zu sehen sind zwei nackte Herren mit Perücke unter einem weißen Laken. Fuß an Fuß liegen sie da. La Ribot schneidet das Laken entzwei. Kommt sie zur Perücke, schneidet sie auch diese entzwei. Eine kalte Obduktion. Zur Belohnung gibt es «Pièce distinguée n°52»: La Ribot macht einen Kopfstand, spreizt ihre Beine. Die Herren schneiden die ihnen dargebotene Hose der Dame auf und markieren wie Chirurgen eine Schnittlinie von Ferse zu Ferse, über beide Schenkel hinweg.
Natürlich ist das Neunziger. Damals empfand man den Körper als Objekt diverser Zurichtungen oder als eine vom Fortschritt bedrängte Restnatur, mit der willfährig, aber auch erotisch herausfordernd umgegangen wurde. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2017
Rubrik: Kalender, Seite 48
von Arnd Wesemann
Der Grund für die vibrierende Atmosphäre im Tanzsaal des Osnabrücker Theaters befindet sich in zwei quietschgrünen Plastikkörben: Hier lagern, sorgsam übereinander geschichtet, die Gesichtsmasken für Mary Wigmans «Totentanz II». Die Maskenabteilung hat sie den hölzernen Originalen von 1917 nachmodelliert. Beeindruckende Requisiten, die tanzhistorische Zeiten...
Abends um 20 Uhr ist die achtspurige Avenida Francisco Bicalho, die das Zentrum von Rio de Janeiro mit dem Hafen verbindet, ein düsterer Ort. Kaum Straßenbeleuchtung, kein Mensch zu sehen, die Autos rasen wie ferngesteuert über den Asphalt. Außer den Bussen hält hier keiner, schon gar nicht freiwillig. In diesem urbanen Niemandsland liegt die Quadra der Unidas da...
3d-film: womb
Genf ist berühmt für den Teilchenbeschleuniger CERN und einen Cho-reografen, der sich in Quantenphysik übt: Gilles Jobin (tanz 4/16). Für so einen ist es ein Kinderspiel, auch mal mit handelsüblicher Fortschrittsware umzugehen, mit Virtual Reality in seinem aktuellen Projekt «VR-I» oder mit 3D in seinem 30-minütigen Film «Womb». Da das Natur-3D der...
