jan martens
Noch ein Hoffnungsträger oder schon ein Choreograf des Jahres? Jan Martens, Jahrgang 1984, bewegt sich irgendwo dazwischen. Als er zu Beginn dieser Spielzeit als factory artist an das tanzhaus nrw nach Düsseldorf kam, galt er bereits als eigenwilliges Talent. Der Belgier überzeugte: menschlich, ohne Allüren und künstlerisch mit einer starken Qualitäts-Offensive. Seiner Intensität kann man sich nicht entziehen.
«Victor» ist sein wohl kostbarstes, aber auch bislang verstörendstes Stück. Ein Mann, ein Junge, beide mit nacktem Oberkörper.
Es ruft sofort die Verbrechen des Kinderschänders Marc Dutroux wach, auch den Missbrauch in katholischen Einrichtungen in Deutschland. Dennoch wagt der Choreograf, ein veritables Liebesduett zu zeigen, das ständig droht, seine Unschuld zu verlieren. Eine Stunde lang starrt man auf das Paar, die Verletzlichkeit des Jungen, die Vorsicht des Mannes. Von heiliger Unschuld zu schwitzender Verzweiflung. Jan Martens ist ein Meister der Suggestion, der Kreation von Atmosphäre. Tastet sich an Grenzen heran, um sie minimal zu überschreiten – und dem Publikum zuzurufen: Das ist alles nur in euren Köpfen.
Von ähnlicher künstlerischer Sensibilität zeugt sein Duett ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 168
von Bettina Trouwborst
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