Manchester on tour: Hofesh Shechter «Show»
Dem Brexit schaut die britische Tanzszene mit Bangen entgegen. Wie brenzlig die Lage ist, zeigt sich exemplarisch an Shechter II, der Junior-truppe des Choreografen Hofesh Shechter. Die Hälfte der acht Tänzer und Tänzerinnen kommt vom Kontinent, Zukunft ungewiss. Noch bis Ende des Jahres sind sie mit «Show» unterwegs, fürs Finale ist das Théâtre de la Ville in Paris gebucht. Wer noch Weihnachtsgeschenke sucht – hier ist eins! Denn das Spektakel entfaltet sich zwar ganz klassisch im Guckkasten, entwickelt aber halluzinogene bis immersive Qualitäten.
Die Sogwirkung ließ sich bestens im Rahmen der Deutschlandpremiere beim Festival «TANZtheater International» in Hannover studieren.
Los geht‘s einmal mehr damit, dass Shechter den ganzen Raum vernebelt, eine Art Ursuppe anrichtet, die alle Anwesenden verschluckt. Kaum ist das Nachwuchs-Oktett unter mächtigem Bass-Wummern aufmarschiert, wird im Parkett energisch mitgewippt. Da und dort ploppen händische Manierismen auf, multiple Kopien der Choreografie: kolibrizittrige Schwingungen, zusammengelegte Fingerkuppen, Gebärden in Renaissancefasson. Dem Tänzertross aber dienen diese Bewegungsschnörkel nur als Préparation, als Vorbereitung ...
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Tanz November 2018
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Dorion Weickmann
Ballett-Probenraum 1 der Berliner Staatsoper, später Vormittag. Im Eingangsregal drängeln sich Haribo-Tüten, Handtücher, Sneakers und irgendwelche Papiere. Auf dem Boden haben Bierflaschen Stellung bezogen – und zwar mehrere Hundertschaften, die sich auf exakt markierten Positionen nachbarschaftlich aneinanderdrücken und nur einen schmalen Mittelgang freilassen....
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