worüber niemand spricht
Ein Tabu ist etwas, über das allgemeines Stillschweigen bewahrt wird. Aber nicht, weil es zum betreffenden Thema nichts zu sagen gäbe – im Gegenteil: All die im Kollektivbewusstsein angesammelten Klischeevorstellungen und Vorurteile machen aus der Thematisierung eines Tabus sehr schnell eine Angelegenheit, die je nach Standpunkt und Geschmack als willkommene Blamage oder skandalsüchtige Verleumdung ohne jeden realen Hintergrund empfunden wird. Sexuelle Belästigung von professionellen Tänzern ist so einTabu: Es ist ein Thema, das keins ist.
Inzwischen hatte schon fast jedes System – ob Kirche, Waisenhaus, Modelbranche, Psychotherapie oder Spitzensport – seine Auseinandersetzung damit. Nicht so das Theater. Und nicht der Tanz.
Während andere «blinde Flecken» der schönen Kunst wie Essstörungen und Karriereende inzwischen nach wie vor ein Problem darstellen, hier aber immerhin ein gewisses Problembewusstsein herrscht – bei Ersterem weniger, bei Letzterem in vorbildlicher Weise –, bleibt der große Enthüllungsbericht über sexuelle Belästigung von Tänzern in der Ausbildung oder im Ensemble aus. Etwa deshalb, weil hier zwar Menschen miteinander an einer Kunstform arbeiten, in der auch ...
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