kunst der masse

Community Dance heißt: gleichzeitig Kunst machen und Kunst ansehen, ein Teil von ihr werden. Bei Joanne Leighton verschmelzen 99 Körper und ein Publikum zum Gesamtkunstwerk.

Tanz - Logo

Wo liegt die Nahtstelle, an der Choreografie in Tanz übergeht? Gibt es sie überhaupt? Und wenn ja, welche Farbe hat sie? Joanne Leighton versucht es mit rotem Klebeband. Im Straßburger Musée d’Art Moderne et Contemporain markiert sie damit vier Linien, die das Publikum bitte nicht überschreiten möge. Täte es dies, so würde es nicht nur die Bewegungsfreiheit der 99 Mitwirkenden einengen. Es entstünde Konfusion. Niemand könnte mehr unterscheiden, wer zum Kurzzeit-Ensemble aus Bürgern gehört, wer nur zum Zuschauen gekommen ist.

Joanne Leighton lässt für ihre Performance unter dem Titel «Made in …» keine Kostüme anfertigen und gibt auch keinen Dresscode vor, keine Mindestgröße, kein Höchstalter und keine Glatzengrenze. Jeder tritt so auf, wie er oder sie hinterher nach Hause geht. So entsteht keine Uniformität innerhalb der Gruppe, sondern eine natürliche Verbindung zwischen den Performern und dem Publikum. Letzteres gehört für sie ganz direkt zur Absicht, und zwar gerade weil die Zuschauer brav vor der roten Linie stehen bleiben. Trotzdem bezeichnet Joanne Leighton sie als «Autoren des Raums, in dem die Choreografie abläuft». Die 99 so Umstandenen tun also nichts anderes als das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2011
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
iran: modjgan hashemian...

...iranische Choreografin in Berlin, zeigte im Juni 2009 ihr Stück «Move in Patterns». Ohne es zu ahnen: Zur gleichen Zeit brach in Iran der «grüne» Aufstand der Enkel gegen die «Kinder der Revolution» aus. Siebzig Prozent sind unter dreißig Jahre alt. Die Revolution von 1979 haben sie nie erlebt. In Teheran tanzten und tobten sie auf den flachen Hausdächern. Hier...

amsterdam: antonia baehr «for faces»

Wenn jemand fragt, was Konzepttanz ist, weiß ich es auch nicht mehr. Am Anfang nannte man ihn «Landscape Play», ein Begriff der amerikanischen Autorin Gertrude Stein. Was auch geschieht, alles ist gleichermaßen wert, betrachtet zu werden. Merce Cunningham kann man so ansehen. Seine Stücke waren «Konzept», aber man nannte es nicht so. Gemeint war der auf sein bloßes...

kultur für alle...

...hieß vor dreißig Jahren der Schlachtruf des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Er forderte einen allen offen stehenden Zugang zur Kunst. Museen, Theater, Bibliotheken sollten Stätten jedes Bürgers sein, keine abgehobenen Musentempel. Seitdem mühen sich die Theater, immer neue Bündnisse nicht nur mit ihrem Publikum einzugehen, sondern auch...