Juliette Binoche
Stehle mich leise in einen Probenraum des National Theatre in London. Und bin sofort gefangen von der Szene, die mich empfängt: Juliette Binoche wirft sich wieder und wieder zu Boden, wütend, sie ist völlig außer sich, offenbar verwirrt. Und bricht zusammen, so anmutig wie ein fallendes Herbstblatt. Akram Khan in schwarzem Poloshirt und braunem Trainingsanzug hockt auf dem Boden, murmelt Anweisungen, lobt den französischen Filmstar und kommentiert ohne Unterlass. In diesem weiten, hohen, weißen Raum bewegt sie sich in schwarzer enger Hose, die schulterlangen braunen Haare offen.
Sie sieht dünner denn je aus, mit wunderschönen Wangenknochen und fast durchsichtiger Haut.
Der Regietisch steht längs zum Raum. Ich setze mich still auf den mittleren Stuhl, um Khan und Binoche besser beobachten zu können. Das Erste, was mir auffällt: Binoche sieht nicht aus wie eine Schauspielerin, die daran arbeitet, eine Tänzerin darzustellen. Die 44-Jährige ist eine Tänzerin, völlig aufgesogen von ihrer Bewegung. Dass ihre Bewegungen so fließend und selbstsicher sind, zeigt, wie gut es Khan gelungen ist, ihr schlummerndes Talent herauszulocken. Sie schnellt dramatisch vor, sie beugt sich zurück wie eine ...
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