frankreich: abou lagraa «nya»

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Beantragt haben sie es nicht: Kindergeld, Erziehungsbeihilfe, Elterngeld. Nawal und Abou Lagraa sind derzeit Ersatzeltern für zehn mehr oder minder junge Männer, von denen fast alle zum ersten Mal ihr Heimatland verlassen. In sechs Monaten machte das Paar in Algier aus Straßentänzern, gefangen in der zügellosen Energie des Einzelkämpfers, ein bestens koordiniertes Ensemble. Sie gründeten das Ballet Contemporain d’Alger. Mehr noch. Ihre Kreation «Nya» steht für die Rückkehr aktueller Tanzkunst ins öffentliche Bewusstsein Algeriens.

Zur Premiere standen Hunderte vergeblich vor dem Nationaltheater um Karten an.

«Nya» beginnt mit einem «Bo­léro», der nach bisherigen Maßstäben keiner ist. Da schaukelt sich keine Gruppe in Ekstase. Es beginnt mit Straßenlärm und Hupkonzert. Der Sog der Großstadt fordert heraus. Wie hält man ihm stand, wie unterdrückt man seine Fragilität, geht mit der Wut um? Sie springen, drehen, breaken und wirken doch so, als kämen sie rein zufällig daherspaziert. Sie sind selbst Algier. Den «Boléro» hören sie von fern, wie im Traum, so lamentierend, wie Maurice Ravel es immer wollte, wie ein Chor in der Tragödie. In seinem Schatten geht das Leben weiter, weil es ...

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Tanz Januar 2011
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Thomas Hahn

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