1968
Für die Künste war und ist es immer dann einfach, sich aus der Politik und gesellschaftlichen Umwälzungen herauszuhalten, wenn die Künstler stillhalten. Das gilt besonders für das Ballett, die eskapistische Kunst schlechthin, die bis zum 19. Jahrhundert nur als Zerstreuung zwischen allem szenisch Gewichtigen diente. Es gilt aber auch insgesamt für den Tanz als mal gefühlige, mal märchenhaft verträumte, stets aber bravouröse Unterhaltung, egal, ob im Spitzen- oder Steppschuh, auf hohen Hacken oder nackter Sohle.
Nur bei genauerem Hinsehen offenbaren sich jenseits wechselnder Stile ideologische und politische Bezüge. Das Ballett hat andererseits selbst jede politische Instrumentalisierung unbeschädigt überstanden. So ist man zum Beispiel bei Yuri Grigorovichs Heldendrama «Spartacus» geneigt, die fesselnden Tanzszenen samt ihren grandiosen Charakteren über die pathetisch vermittelte real-sozialistische Opfer-Ideologie zu stellen. Im chinesischen Ballett «Das rote Frauenbataillon» belächelt man heute die zierlichen Ballerinen als Flintenweiber in Uniform, die im Grand jeté über die Bühne jagen. Darüber wird gern vergessen, dass es die treibende Kraft der blutigen Kulturrevolution war, ...
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Tanz Mai 2018
Rubrik: Traditionen, Seite 56
von Eva-Elisabeth Fischer
Ein Freitagabend im Januar, kurz nach 22 Uhr in der Berliner U-Bahn, Linie 6: Ein athletischer, nicht mehr ganz junger Mann betritt die Bahn, stellt die Sporttasche neben sich auf den Boden und streift seine Lederjacke ab. Noch ist niemand auf ihn aufmerksam geworden. Erst als er eine kleine Musikbox hervorholt und Michael-Jackson-Beats erklingen, zieht der Typ mit...
soul chain
Auch wenn die 17 Tänzer und Tänzerinnen die ganze Zeit wie auf Zehenspitzen agieren: Geräuschlos geht die «Soul Chain» von Sharon Eyal deswegen kaum vonstatten. Dafür sorgt schon der DJ und Komponist Ori Lichtik, der mit seinen heftigen Technobeats immer wieder den Tanz so aufpeitscht, als wolle er auf «Le Sacre du printemps» von Igor Strawinsky...
DVD: Neumeiers «Nijinsky»
Der letzte Auftritt von Vaslav Nijinsky- jährt sich am 19. Januar 2019 zum hundertsten Mal. Da kommt der Live-Mitschnitt des Hamburg Ballett gerade recht, der genau an die «Hochzeit mit Gott» erinnert, die der legendäre Tänzer der Ballets russes in St. Moritz auf so verstörende Weise vollzogen hat: ein geradezu mythisches Ereignis, das...
