Gerald Humel gestorben
Seine erste Liebe gehörte dem Tanz, und «Erste Liebe» hieß nach Tschechow ein Ballett in einem Akt, das Gerald Humel 1965 komponierte. «Schon als Junge», gesteht der «Dramatiker des Klangs» auf seiner Website, «hat mich das Ballett fasziniert» und nennt als Grund, dass seiner Meinung nach die «wichtigste Musik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ... Ballettmusik war».
Insgesamt acht Ballette hat Humel im Lauf seines Lebens geschrieben: das erste, «Devil's Dice», noch zu Hause, alle anderen in seiner Wahlheimat Berlin, wohin es den Amerikaner aus Cleveland, Ohio, Anfang der 1960er Jahre als Fulbright-Stipendiat verschlagen hat. So «Herodias», ein Ballett, das Manfred Taubert 1967 am Staatstheater Braunschweig herausgebracht hat. So «Die Folterungen der Beatrice Cenci», «Lilith» und «Zwei Giraffen tanzen Tango», die er höchst erfolgreich gemeinsam mit Gerhard Bohner erarbeitete. «Othello und Desdemona» hätte ihm 1974 womöglich den Weg zu einer Weltkarriere eröffnen können. Doch John Neumeier verwarf die brisante Ballettmusik – verhinderte lange Zeit sogar ihre szenische Interpretation und trieb damit den Komponisten selbstherrlich in den Ruin. Erst acht Jahre später erlaubt er ...
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