Gil Roman; Foto: Lauren Pasche
Gil Roman
Manchmal vermisst man das schon: die Horden wilder Männer in Jeans, die Weltenspektakel mit einer grandiosen Apotheose der Liebe am Schluss, die Clowns und die Dämonen, große Musik und große Philosophie, die rätselhaften Tanzgötter wie Jorge Donn. Heute verbiegen die Choreografen Körper bis zum Geht-nicht-mehr oder verlieren sich in Fragmentierung. Kaum einer wagt mehr das Pathos wie einst Maurice Béjart.
Nicht nur in seiner Liebe zu Chansons und Weltmusik ähnelte er Pina Bausch, sondern auch im ständigen, damals provokanten Grenzübertritt zum Theater, oder in seinem Fall zum Theatralischen. Er tat es à la français, im dunklen Existenzialisten-Ton Jean-Paul Sartres oder mit dem Surrealismus eines Jean Cocteau, immer nach den Regeln des Balletts und gerne mit dem Eclat eines Sonnenkönigs. Maurice Béjart gerät langsam, aber sicher in Vergessenheit, die Erinnerung an seine Stücke nimmt schnell den Ruch des Nostalgischen an: die stark überschminkten Augen der Tänzer, die bunten Scheinwerfer aus den 80ern, die überlebensgroßen Charaktere auf der Bühne. Zehn Jahre nach dem Tod des Choreografen gastiert seine Kompanie deutlich weniger als früher in Deutschland, seine Werke werden im ...
Biografie Maurice Béjart
Kein Choreograf hat jemals den Zeitgeist so auf der Bühne verkörpert wie Maurice Béjart. Und keiner innerhalb der Ballettgeschichte hat damit ein so breites Publikum angesprochen wie er. Kein Zufall, denn dem getanzten Output steht ein Input gegenüber, mit dem niemand anders mithalten kann. Auf gut hundert Seiten erkundet Jean Pierre Pastori leicht lesbar und pointenreich das «Universum eines Choreografen», und der langjährige Präsident der Fondation Béjart Ballet Lausanne tut es, indem er Béjart in elf Persönlichkeiten bespiegelt, die sein Lebenswerk ohne Zweifel beeinflusst haben.
An vorderster Stelle nennt der Autor Jean Laurent, der das künstlerische Potenzial des erst 19-jährigen Maurice-Jean Berger alias Maurice Béjart frühzeitig erkannt hat. Ein zweites Kapitel ist Gaston Berger gewidmet, dem Vater, dem großen Philosophen, der in «Gaité Parisienne», einem Ballett seines Sohnes, eine erhabene Rolle spielt. Dritter im Bund ist der unlängst verstorbene Komponist Pierre Henry, Schöpfer der «Musique concrète». Selbstverständlich kommt die Rede auf Maurice Huisman, der Béjart nach Brüssel an das Theatre Royal de la Monnaie verpflichtete. Jean Vilar ...
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Tanz Dezember 2017
Rubrik: Menschen, Seite 18
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