erinnern vergessen

Jeden Schritt, den wir gehen, vergessen wir wieder. Nur Tänzer erinnern ihn. Wirklich? Wieviel Vergessen tatsächlich im Erinnern steckt, zeigte jüngst auch das Festival «Dance» in München.

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«We need not destroy the past. It is gone.» Was Cage 1949 in seiner «Lecture on Nothing» schrieb, bedeutet: Das Vergessen ist nicht Auslöschung, sondern ein Sein-Lassen. Das Vergessene schlummert mit der Vergangenheit. Im Hier und Jetzt ist etwas anderes dran. Auch die Tänzerin Eszter Salamon vergisst: Cage selbst, wenn sie ihren «Dance for Nothing» tanzt, obgleich sie, stellenweise atemlos, dessen Text spricht als Folie für ihre kruden Bewegungen. Salamon vergisst Cage, um frei für ihren Tanz zu sein.



Das Vergessen, das der «Lecture on Nothing» innewohnt, ist nicht gleichbedeutend mit pathologischer Amnesie, wie sie ein Unfall oder die Demenz mit sich bringt. Das Körpergedächtnis ist bei Tänzern durch stetes Training sensibilisiert und besonders ausgeprägt. Auch Nichttänzer verfügen darüber. Mit ein wenig Übung wird auch einer, der jahrelang nicht Fahrrad gefahren ist, nach kurzer Zeit wieder die Balance und den Rhythmus finden, in die Pedale zu treten. Es sei denn, die entsprechenden Synapsen im Gehirn fallen aus.
 
So ergeht es Menschen, deren Hirn schrumpft, die dement werden, die sich am Ende nicht mehr verbalisieren, sondern einzig über Berührungen und, im besten Fall, ...

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Tanz Dezember 2010
Rubrik: traditionen, Seite 50
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
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