Foto: David Mambouch
Paris: Maguy Marin «Deux mille dix sept»
Vierzig Jahre und kein bisschen leise! Seit 1976 macht Maguy Marin ihre Stücke, mal als Leiterin eines Centre Chorégraphique National, mal auf der verzweifelten Suche nach einer Arbeitsstätte. Den Gegensatz zwischen arm und reich hat sie am eigenen Leib erfahren. Jetzt doziert sie von der Bühne herab über die Klassengesellschaft und macht die Jahreszahl zum Titel: 2017. Nicht um ihr Jubiläum zu feiern, sondern aus Enttäuschung darüber, dass die Welt immer unsolidarischer wird. «Deux mille dix sept» ist harsche Kapitalismuskritik mit den Mitteln des Tanztheaters.
So etwas wie «Der grüne Tisch» von Kurt Jooss oder «Der große Diktator» von Chaplin schwebte ihr vor, sagt sie nach der Uraufführung im kleinen Kreis. Beide Werke besaßen aber eindeutig mehr Humor und Sinn für das Groteske. Marin erliegt eher der Versuchung des Didaktisch-Monumentalen. Und sieht vielleicht auch ihr eigenes Wirken mehr und mehr als Monument, was nicht ganz falsch ist. Vierzig Jahre lang hat sie oft begeistert und manchmal genervt, aber nie gelangweilt. Die wenigsten können das von sich behaupten.
«Deux mille dix sept» beginnt mit dem Schlussbild aus «BiT», dem Vorgängerstück aus 2014: Techno-Musik und ...
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Tanz Dezember 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Thomas Hahn
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