Das Archiv
Die kulturpolitischen Maßnahmen kommen und gehen, die kuratorischen Setzungen prägen eine Spielzeit oder eine Saison, die choreografischen Entwicklungen ereignen sich irgendwo, wo man selbst meist nicht ist, und die tänzerische Darbietung findet seit je im ontologischen Niemandsland statt. Gäbe es nicht das Archiv – oder besser gesagt, die Vielzahl von Einrichtungen, die sich der Spurensicherung widmen –, die ganze schöne Tanzpolitik, Programmplanung und Produktionsförderung wäre verlorene Liebesmüh’.
Mit Blick auf das Publikum mag sie das in den meisten Fällen so oder so bleiben, aber die Archive bergen, bewahren, übersetzen, transponieren und umhegen das, was vom Tanzen bleibt: auf Papier, als Foto, im Film, in der Erinnerung, im Netz, im Regal, in der Box oder wo auch sonst. Das Archiv erfindet mit rührender Gleichmut den Tanz, das Tanzen und das Sprechen darüber immer wieder neu, es erlaubt jedem Einzelnen, sich sein Erinnerungs-Stück vom Tanz anzufertigen. Manchmal werden daraus große Erzählungen, historische Abhandlungen oder biografische Feinanalysen. Am Anfang steht aber immer die Begegnung des Einzelnen mit einer Spur. Und der Ort dieser Begegnung ist das Archiv.
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Früh morgens kurz nach sechs – Nebelschwaden huschen über das Tal von Vals. 1252 Meter hoch liegt das Bündner Bergdorf und doch so tief, dass die Sommersonne erst weit nach neun über den fast 3000 Meter hohen Schweizer Piz Tomül hinüberblitzt. Im weißen Frotteemantel harren wir der Erfüllung nächtlicher Träume. Der Bademeister führt in den düsteren Kern der Therme...
China is a country where anything can happen and things are changing rapidly, day by day, in all fields of life. Dance is no exception. Jin Xing – golden star – is the best example of this. This graceful, elegant woman and accomplished dancer, former man and colonel in the Chinese Red Army, now runs her own dance company in Shanghai. It is the first independent...
Mein erstes Buch, das ich mit 18 Jahren nicht schrieb, sondern klebte, handelte vom Raum. Ich verdiente mir vor Weihnachten das Taschengeld auf unserem lokalen Postbüro, indem ich die eingeschriebenen Sendungen in ein Buch übertrug. Hinter mir tickte der Telegraf, und ein Kollege zerschnitt den endlosen Nachrichtenstreifen in für das Telegrammformular passende...
