Launen von Zufall und Fügung

Bildermensch Robert Lepage erzählt mit «Lipsynch» eine neunstündige Familiengeschichte – und eine Geschichte der Stimmen

Theater heute - Logo

Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei 30-minütige Pausen, wenn es ab Sommer 2008 durch Europa tourt, soll es auf volle Länge angewachsen sein: neun Geschichten in neun Stunden, die von 1945 bis 2015 reichen.

Seit fünf Jahren arbeitet die Gruppe an dem Stück, on and off, sich immer wieder irgendwo auf der Welt zu Brain­storming und Improvisationsproben versammelnd, für ein paar Tage oder Wochen, auf dass Geschich­ten entstehen, Figuren und Themen, an denen alle Anteil haben, die allen gehören und von allen gemeinsam entwickelt werden.

Dies ist ein Projekt, größenwahnsinnig und gran­dios, randvoll mit jener unverwechselbaren Magie aus High Tech und Kinderstaunen, die das Publikum in eine Theaterwelt lockt, in der alles mög­lich ist und folglich auch geschieht. Die Aufführung ist tragisch und komisch, erschreckend und befrei­end, man kann ihr verfallen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2007
Rubrik: Ausland, Seite 37
von Renate Klett

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ratten im Polit-Betrieb

Erfolg hat Folgen, gewollt oder nicht – sämtliche Komplikationen der Münchner Uraufführung schleppen auch die folgenden Versuche am jüngs­ten Stück des Schweizer Dramatikers als Last mit sich herum. Das ist kein Wunder, denn die Konstruktion des Textes erschwert jeden ernsthaft neuen Blick. Die Nachspiele von Florian Fiedler im Ballhof des Hannoverschen Schauspiels...

Der kleine Vampir

Patricia Benecke«pool (no water)» kam gerade in Zürich zur deutschsprachigen Erstaufführung. Uraufgeführt wurde es aber von der britischen Thea­ter­truppe Frantic Assembly. Wie kam es zu dem Stück?

Mark RavenhillEs war eine Auftragsarbeit für Frantic Assembly. Wir haben uns über die Jahre kennen­gelernt und fingen irgendwann an, über ein gemein­sames Projekt zu...

Das Leiden am Ich

In Hessen ist «Don Karlos» Zentral­abiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen tei­len. Pubertär pikiert zischen die Schüler­abordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runter­lässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...