Tomasz Kajdanski: «Lulu»

Dessau

Tanz - Logo

Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen. Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt.

Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus. Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Volkmar Draeger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tanz im TV

«Berliner Tanzfieber» bricht am 4. Januar bei arte aus. Dabei betrachtet der Dokumentarfilmer Marcus Behrens die Stadt als Bühne. Ein gängiger Ansatz, fast schon ein Berlin-Klischee. Weil es aber auf der ganzen Welt eine solche Definitionsmacht erlangt hat, wirkt es weiter. Besonders auf junge, kreative Menschen, die sich natürlich in ein entsprechendes Umfeld...

Steffen Fuchs: «Dornröschen»

Mut hatten die Nordhäuser, als sie, Lebensmittelkarten und Kohlrübenwinter zum Trotz, 1949 ihr kriegszerstörtes Theater mit «Figaros Hochzeit» wiedereröffneten. Kunst als Überlebensmittel, würdigt die Oberbürgermeisterin die Tat und ehrt genau 60 Jahre später zwei betagte Aktivisten jener Ära. Als Steineklopfer und Kostümbildner hatten sie Anteil am denkwürdigen...

Die Tanzlust der Kinder

Das Chaos droht: marodierende Mini-Zuschauer, sabotierende Zwischenrufe, Anarchie auf kleinen Beinen. 260 Schulkinder backstage bei einer Vorstellung – da kann eine Choreografin schon nervös werden. «Ich hatte eine Heidenangst», gesteht Silke Z. Bei ihrer Produktion «It’s a Man’s World» für Zuschauer ab zehn Jahren holt sie das Publikum für die ersten zwölf Minuten...