Choreografin des Jahres: Meg Stuart
Mit Meg Stuart ein Gespräch zu führen, katapultiert auf eine andere Wahrnehmungsebene. Sie lebt nicht im Linearen, reiht ungern Wörter zu eindeutigen Sätzen aneinander. Lieber ruft sie zwei, drei Substantive oder Adjektive auf, um deren paradigmatische Qualitäten durchzuspielen. Vertikal wandert sie um ein Wort herum und ersetzt es durch Synonyme, generiert eine dichte Assoziationswolke – um diese dann unvermittelt durch ein «no, no, no» oder «but» zu zerstäuben.
In Spiralen dreht sich das Gespräch um die gestellten Fragen, kommt immer wieder auf einen Gedanken zurück, der versuchsweise gesetzt und sogleich durch sein Gegenteil relativiert oder zurückgezogen wird. Irgendwann beginnt man, Meg Stuart zu spiegeln: Die Sätze werden kürzer, die Augen wandern ins Weite, der Körper richtet sich an verschiedensten Raumpunkten aus, als würde er unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Oft fühlen zuerst die Finger und Hände der Form oder Textur eines Gedankens nach, bevor man ihn probeweise zusammensetzt und gleich wieder demontiert. Ein Zirkulieren von Energien ist das, weniger ein Austausch von Ansichten. Intensitäten bauen sich auf, und alles, was gesagt wurde, ist in den Pausen zwischen ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die saison 2013/14, Seite 122
von Elena Philipp
«Ich tanze jetzt die Rolle der Nikija aus Marius Petipas ‹La Bayadère›», sagt die 15-jährige Gymnasiastin Fabienne Hott, dann ist sie weg. Eingetaucht in eine der dramatischsten Liebesgeschichten der russischen Klassik. Ansprechbar ist sie jetzt nicht mehr. «Im Ballettsaal vergesse ich alles. Korrekturen höre ich gar nicht, die kann ich erst nachher aufnehmen.» Zur...
Sie sind noch nicht ganz trocken hinter den Ohren, und deswegen ist die Solo-Therme in Otterndorf wie geschaffen für die acht Youngsters des Bundesjugendballetts. Warum nicht mal in einem leergepumpten Schwimmbecken tanzen? Noch dazu, wenn man die einmalige Bühne damit zu einem «Ausgezeichneten Ort im Land der Ideen» machen kann und dafür auch noch einen Preis...
In der Tanzsparte des Staatstheaters Mainz das Wort «Wunder» erst mal ins Regal zu räumen und die Aufschrift «Ballett» zu archivieren, das ist weise. In den Post-Schläpfer-Jahren gab dort eine angestrengt neoklassische Richtung den Tanz-Ton an, unter Nutzung sämtlicher Raffinessen von Bühnen- und Beleuchtungstechnik. Derweil zerrten die Choreografien den Tänzern...
