Marco Santi
In bernarda albas haus tanzt sie aus der Reihe: Adela, die Jüngste. Während sich ihre Schwestern in Repressions- und Sehnsuchtsspielen erschöpfen, lässt sie ihrer Laszivität freien Lauf. Voller Verlangen wirft sich Adela immer wieder lustvoll aufs Bett: ein keineswegs obskures Subjekt der Begierde, sondern eine Frau, die ihr Recht auf gelebte Sexualität fordert. Zaida Ballesteros Parejo verkörpert sie am theater osnabrück. Hoch über ihr schwebt noch ein Bett, in dem sich Apolonia Kubala als Bernardas Mutter häuslich eingerichtet hat.
Wie von einem Mastkorb aus singt sie ein paar Schlager, gibt sich erbarmungslos und findet dafür nicht nur Worte García Lorcas, sondern auch von Abdallah Ibn Abbas, Elfriede Jelinek, Lily Brauner und Pier Paolo Pasolini. Denn marco santi geht es weniger um eine «Frauentragödie in spanischen Dörfern» als um ein Tanzstück für das gesamte Ensemble, zu dem Roderik Vanderstraeten den stimmungsvollen Soundtrack beigesteuert hat. Ensemble heißt auch, dass die Männer in das Geschehen sichtbar einbezogen werden. Hinter einem Plastikvorhang (Bühnenbild: Katrin Hieronimus) agieren sie nicht nur als potente Projektionsflächen weiblicher Wunschträume. Sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Experiment ist geglückt, ein Beweis erbracht. Man kann sich tatsächlich dieselbe Komposition dreimal nacheinander anhören, ohne Schwindelanfälle davonzutragen. Hilfreich bei «Les noces» (Die Hochzeit) von Strawinsky ist, dass das Werk die halbe Stunde nicht überschreitet. Dreimal also das Ganze. Zuerst steht der Chor auf der Bühne, unbeweglich, singt auf...
Sie sind erst 38, und Ihr Name steht neben Jirí Kylián auf dem Ballett-Programm des Genfer Grand Théâtre. Das ist natürlich schmeichelhaft. Jirí Kylián ist doch einer der großen Choreografen unserer Zeit. Ich denke, das hat zur Folge, dass ich das Gegenteil jeglichen...
ist nicht so einfach. Als Großbritanniens Reichtum mit einer Rate von zwei Prozent anwuchs, nannte man das die industrielle Revolution. Als Deutschland um drei Prozent reicher wurde, taufte man es das Wirtschaftswunder. China wächst um acht Prozent pro Jahr. Die Werkbank der Welt empfängt die höchsten Investitionen auf einem Boden, von dem man annimmt, dass viel...
