das denken zum tanzen bringen: rudolf zur lippe schwärmt
Ein Philosoph geht auf die Pirsch. Vor Sonnenaufgang stapft er durchs taufrische Gras in Brandenburg, im Linumer Bruch, wo sich im September Zehntausende von Zugvögeln bei ihrer Reise in den Süden versammeln, um einem beeindruckenden Schauspiel beizuwohnen: den «unglaublich mannigfaltigen Bewegungen der Schwärme». Im Gegensatz zu allen festlegenden wissenschaftlichen Beschreibungen ist es diese lebendige Erfahrung – den Wandel in der Natur auszumachen als ein ewiges Handlungsgprinzip –, auf die Rudolf zur Lippe in seinem neuen Buch rekurriert.
Er baut auf eine Naturphilosophie des Wandels und der Bewegung, will Erfahrungen am eigenen Leib und damit den Tanz und seine Sinne ins Zentrum der Beobachtungen rücken.
Die Schwarmphänomene haben es ihm diesmal vor allem angetan. Er verortet sie in einem ideengeschichtlichen und zeitkritischen philosophischen Kontext, übersetzt sie in die Sphären des Menschlichen, der Sinne, der Kommunikation.
Der Autor bindet sich selbst mit ein: wenn er sich beispielsweise in Berliner Tanzstudios bei Felix Ruckert einlässt auf Experimente zu Sinn und Sinnlichkeit. Um am eigenen Leib Eindrücke vom Bewegungsgeschehen der Tanzenden zu erlangen. Ein ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: medien, Seite 52
von Ottmar E. Gendera
Lange Zeit war «Dances at a Gathering» ein fast mystisches Ballett – kaum gesehen und viel besungen. Zu seinen Lebzeiten gestand Jerome Robbins kaum einer Handvoll auserwählter Kompanien das Recht zu, dieses Werk zu tanzen, akzeptierte nur die besten Solisten und ließ sie bis zum Exzess proben. Aber wo immer man über das Ballett las, da knieten die großen Kritiker...
...sieht irgendwie aus wie eine Wasserwaage. Bei der Verleihung des undotierten Preises in Essen durch den Deutschen Bühnenverein setzte sich im Tanz die freie Szene gegen die Stadt- und Staatstheater durch. Constanza Macras erhielt ihren Klotz für «Megalopolis» (tanz 3/10), das an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz in Koproduktion mit dem Europäischen...
...ist wieder da. Und wieder wird er die Präzision der Ballerina auf den Prüfstand stellen, die Geschwindgkeit erhöhen, der klassischen Technik ein solches Tuning verpassen, dass herkömmliches Ballett aussieht wie ein Oldtimer. Dabei lässt er sich von den ältesten für Choreografen geeigneten Opern inspirieren, Henry Purcells «Dido und Aeneas» und Christoph...
