Guten Morgen, Shanghai

Die Sonne geht auf, und die Chinesen tanzen rückwärts in den Tag. Kaum hat der Vormittag begonnen, wird es Zeit für einen Quickstep, wahlweise einen Foxtrott.

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Shanghai ist eine Metropole, in der jeden Morgen ein neues Hochhaus in den trüben Himmel wächst. Wie eine neue Blume. Shanghai sagt von sich, sie schlafe nie. Der Verkehr, der Lärm, 18 Millionen Menschen. Welche europäische Großstadt auch immer – gegen Shanghai wirkt sie wie ein verschlafenes Nest. Jeden Morgen erwacht diese Metropole für ihren Schwindel erregenden Fortschrittsrausch. Auf eine zauberhafte Art. Man muss dazu nur früh genug aufstehen. Zwischen sechs und acht Uhr gehört Chinas Industriestadt den alten Leuten.

Auf der berühmten Shoppingmeile Nanjing Lu treffen wir bereits auf einzelne Grüppchen. Die Geschäfte sind noch geschlossen. Der Drache, Chinas Symbol der beweglichen, anregenden Kraft, erhebt sein Haupt und haucht seinen Atem durch die Straßen, den die Menschen nach allen Regeln der Kunst verwirbeln werden. Damit es ein guter Tag wird. Wo bis in die tiefe Nacht der Konsum regiert, werden nun traditionelle Schwert- und Fächertänze geübt. Mancher läuft, um die Kraft des Drachen zu bändigen, einfach rückwärts. Man erwartet als Europäer den berühmten T’ai-Chi-Ch’uan (eigentlich: Taijiquan), den tausende Chinesen im Huangpu-Park als eine volkstümliche Kunst aus ...

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Tanz April 2008
Rubrik: Report, Seite 4
von Irmela Kästner

Vergriffen
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