Tanz im TV
Der Hamburger Ballettchef John Neumeier sucht Nijinsky überall, den Startänzer der Ballets Russes. Fast wirkt Neumeier selbst wie ein Sergei Diaghilew, der als Waslaw Nijinskys Mäzen kein Impresario sein wollte, «denn Impresarios galten als Diebe». Von Kindesbeinen an ist Nijinsky sein Vorbild; auch eins von Neumeiers Hauptwerken heißt «Nijinsky». Seine Tänzer sind dessen Verkörperungen. Alexandre Riabko kommt Nijinsky vom Gesicht her am nächsten, Otto Bubeníček ist der glücklichste Goldene Sklave, Lloyd Riggins ein perfekter Petruschka.
Neumeier führt die Filmemacherin Annette von Wangenheim durch seine uferlose Nijinsky-Sammlung, «um von diesem Künstlermenschen immer etwas zu spüren». «Der Mann hat eine wechselbare Kraft», sagt Neumeier, der Liebende, und: «Das Schwerste ist, mit dem Alten nicht rückblickend zu wirken.» Neumeier hasst das Süßliche, Kitschige, Vergangene und überrascht, als er sagt: «Ich sehe Ballette fast immer wie Filme – die Disziplin der Zeit ist eine ähnliche.» Vor Annette von Wangenheims Kamera sieht man Neumeier im Recht: in der feinen Zeichnung der Tänzer, der Details, vor allem in der kurzweiligen Auswahl der Bilder. 90 Minuten nimmt Neumeier sein ...
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