Blutfontänen
Wer Showtanz zu seinem Beruf macht und die Kunst der Choreografie fürs Haschen der Effekte braucht, sei in Gottes Namen nicht ausgenommen von seiner Liebe. Wer Jesus Christus zum Schluss an den eisernen Vorhang nagelt und im Namen von Klaus Kinski die Kirche ihrer Unchristlichkeit beschuldigt, darf auch gern erklären: «Jesus Christ Superstar» war gestern, «Menschensohn» ist heute. Statt Hippie-Rock geht’s hier ordentlich zur Sache: Schwermetall und donnerndes Dies irae, wummernde Aufsässigkeit und geschlagene Ölfässer, aus denen Blut in vulkanischen Fontänen emporschießt.
All das Brachiale geschieht an einem unvermuteten Ort, mitten in Thüringen: ein Tanzmusical «made in Gera».
Gregor Seyffert, der zuletzt den Tourismus im Kraftwerk Vockerode in der Nähe von Dessau beschleunigte, bewegt mehr als 30 Tänzer in Erinnerung an Kinskis legendäre Bibelexegese, die er am 20. November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle betrieb.
Es war die Zeit der APO. Religion war Opium fürs Volk. Im Cannabis-Duft protestierten die Studenten gegen Kinskis Bibelauslegung, standen auf gegen den obszönen Egomanen, den Tatjana Gsovsky entdeckt hatte und der 1952 Valeska Gerts Berliner Tanzlokal namens ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach einer Neujahrsgala im Comedia-Theater in Köln mit unter anderem Bridget Breiner, Erste Solistin des Stuttgarter Balletts, Ruben Martin, Erster Solist des San Francisco Ballet, und Melissa Hough, Erste Solistin am Boston Ballet, wurde die Gründung des Fördervereins koelnballett-förderer gefeiert, um ein festes Kölner Ballettensemble zu schaffen. Initiator ist...
Das Werk stammt vom Komponisten Leonid Desjatnikow, es ist Alexei Ratmanskys letzte Inszenierung in seiner Eigenschaft als künstlerischer Leiter des Bolschoi-Balletts, das er auf eigenen Wunsch verlassen hat (ein seltener Fall in der Geschichte dieses Theaters). Er wird sich nun ganz dem Chroreografieren widmen, in den USA, in Europa und in Russland.
Desjatnikow...
Aszure Barton ist eine Entdeckung. Gemacht hat sie 2002 Mikhail Baryshnikov. Zur Eröffnung seines Baryshnikov Arts Center 2005 war die Kanadierin seine erste Choreografin in Residenz und kochte ein Duett für Baryshnikov und Benjamin Millepied. Ein Jahr später wagte sie sich an den Broadway, um die «Dreigroschenoper» mit dem Lustgewinn zu choreografieren, der zu...
