Foto: Arno Paul
Plaisirs inconnus
Wenn Sie, ja Sie, Tanz anschauen – wonach richten Sie sich? Warum gehen Sie in das Stück von X und nicht in das Stück von Y? Was wäre, wenn Ihnen mal niemand verraten würde, wer die Hersteller sind? Würden Sie dann trotzdem eine Karte kaufen? Wir wissen zwar nicht, wie groß der Teil des Publikums ist, der sich bei der Entscheidung zum Ticketkauf vor allem vom Namen des Choreografen leiten lässt. Petter Jacobsson, der seit fünf Spielzeiten das Ballet de Lorraine in Nancy leitet, ist sich aber sicher: Es sind ziemliche viele Zuschauer. Zu viele, wie er meint.
Denn ein Name ist eine Marke, auch und gerade in der Kunst. Auch Jacobsson setzt auf eine marktgängige Strategie: «Wir haben in der Vergangenheit immer wieder angesagte Choreografen eingeladen, für uns Stücke zu entwickeln.» Sein Assistent Thomas Caley und Emma Gladstone vom Sadler’s Wells in London, diese beiden kamen auf den Gedanken, dass es auch anders gehen könnte: Was, wenn niemand weiß, wie der Choreograf, die Choreografin eines Stücks heißt? Was, wenn das Publikum weder vorher noch hinterher erfährt, wer die Tänzer über die Bühne scheucht? Und wie reagieren die Tanzschöpfer, wenn sie wissen, dass niemand sie loben wird, ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
Akt zwei: Hilarion drückt sich auf die Bühne. Keine Spur von Giselles Grab, dafür taucht eine unheimliche Frauengestalt in dunkelrotem Kleid auf. Es ist eine Wili, wie Heinrich Heine sie nannte, korrekt slawisch Víla genannt: der Geist einer Braut, die vor der Hochzeit gestorben ist. Im französischen Ballett «Giselle, ou les Wilis» von 1841 haben Wilis die...
Die freie Tanzszene im Rhein-Main-Gebiet konzentriert sich – mit einer Ausnahme, von der noch zu reden sein wird – auf Frankfurt. Und daran, dass die Stadt am Main eine Tanzstadt ist, besteht kein Zweifel: Dreißig Jahre lang hat mit William Forsythe einer der wichtigsten zeitgenössischen Choreografen hier gelebt und gewirkt, erst als Chef des Balletts Frankfurt,...
Tabula rasa, Teil zwei – und Schluss? Es ist schon ungewöhnlich, zu Beginn einer Spielzeit Bilanz zu ziehen. Beim Bayerischen Staatsballett ist das so. Anhand fehlender oder nie gelesener Namen in der Ankündigung zur Spielzeit 2017/18 konnte man sich zusammenreimen, dass Igor Zelensky, seit einem Jahr Direktor der Kompanie, auf der Ballettetage vollendet hat, was...
