Brief aus Kairo
Wäre es der Traum eines Reisenden, sich in einem fernen Land zu verirren, fernab von Bekanntem und Vertrautem, der Megakosmos der 8-Millionenstadt Kairo böte die idealen Voraussetzungen dafür.
Zwischen einer vom Westen großzügig akzeptierten Diktatur und der von weiten Kreisen der ägyptischen Bevölkerung erhofften Utopie einer Erlösung durch einen islamischen Gottesstaat gleicht die Suche nach Tanz einer archäologischen Spurensuche, einer Recherche, die mit jedem Fund, jeder Begegnung einmal mehr deutlich macht, wie fragil und temporär zeitgenössische künstlerische Entwicklungen in dieser Region sind.
Niemand würde auf den ersten Blick vermuten, dass sich im ersten Hinterhof eines Wohnhauses in einer Geschäftsstraße in Downtown Kairo ein umtriebiges Zentrum für Tanz und Theater verbirgt. Vier kleine Probenräume beherbergt das Studio Emad Eddin, das durch Workshops und Residenzen die Entwicklung einer Theater- und Tanzszene in Ägypten zu befördern sucht. 1400 Mitglieder und ihre Beiträge bilden laut Nevine El Ibiary, einem der Leiter, die finanzielle Basis und das Gros der Nutzer dieser Angebote. Groß ist hier das Interesse am Tanz aus Europa. Nach Kräften will man diese Nachfrage ...
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