Herz ist Ballerina
Im Harz, da, wo der Doppelkorn herkommt, steht das Kunsthaus Meyenburg. Hier hängen sechs Originale des katalanischen Malers Joan Miró, ausgestellt zu Ehren von Deutschlands jüngster Ballettdirektorin. Die 34-jährige Jutta Wörne faszinieren Miró und die Rätsel des Surrealismus. Mirós Bild «Danseuse» etwa zeigt eine Kugel mit dünner Linie und stilisierten Noten, wobei «Noten» schon zu viel gesagt ist, und die Kugel als den «Kopf» der Tänzerin zu bezeichnen, reine Spekulation wäre. Der Titel bedeutet. Nicht das Bild. Wie auch ein Tanzschritt an sich kein Zeichen ist.
Darum gehört bei Miró der Titel zum Kunstwerk – durch ihn sucht der Betrachter in einem Bild wie «Hund, den Mond anbellend» von 1926 den Mond und den Hund, obwohl nur heftig Mirós kompositorische Schlichtheit zu bewundern ist.
Dasselbe kann für den Tanz gelten. Mario Kofend lässt viel Licht ins Publikum, damit wir lesen können: Wer was ist und worum es geht. Der Programmzettel sagt, die souveräne Ballerina Kei Onishi sei «das Herz». Aber das Zeichen ist, in surrealistischer Tradition, verschoben. Das Herz, um das sich laut Libretto ein «Springteufel» und ein «Schwarzer Punkt» bemühen, sind zahlreiche Bälle, auf denen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
I have two seemingly unrelated stories to tell you; to me they demonstrate the same thing.
When Merrill Ashley retired from the stage of the New York City Ballet in 1997, she was ending a career of 31 years. Joan Acocella, dance critic for the New Yorker, wrote a lengthy and beautiful tribute to her. She described Ashley as a dancer of great technical skill and...
Joséphine Baker zählt zu den populärsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr legendärer Bananen-Gürtel schrieb Theatergeschichte, ihr Chanson «J’ai deux amours» wurde zum Evergreen und zur Baker-Hymne. Sie war die Königin des Charleston der goldenen Zwanziger Jahre, die Diva der Folies-Bergère und des Casino de Paris. Und sie war die Mutter der...
Ortega Fernandez tanzt als Giselle unangreifbar heiter mit der Anmut des Naturkinds. Diese Zutraulichkeit hat ihren Preis: Sie verliebt sich in ihren Unterdrücker. Der Herzog bändelt in St. Gallen incognito zwischen gefüllten Wäschekörben mit dem Mädchen an. So erzählt Philipp Eglis «Giselle» von modernen Arbeitssklaven und skrupellosen, sciencefictionartig...
