Requiem
Warum ein «Requiem», und das ausgerechnet in einem Programm, das sich «East» nennt? Zunächst hat das natürlich mit dem Haus zu tun, für das Sidi Larbi Cherkaoui seit 2016 arbeitet. Genauer gesagt: mit dem «Kunsthuis» in Antwerpen und Gent, unter dessen Dach nicht unbedingt aus eigenem Antrieb Oper und Ballett Unterschlupf gefunden haben: eine «Zwangsheirat», sagt denn auch der Künstlerische Leiter des Ballet Vlaanderen. Ein Friedensstifter der choreografischen Art, konnte ihm die vorgefundene Situation nicht sonderlich gefallen.
Von Anfang an wollte er deshalb alle Abteilungen einmal auf seine Weise zusammenbringen und damit ein versöhnliches Zeichen setzen in einer Zeit, die nicht nur seiner Einschätzung nach sonst eher etwas Zerstörerisches hat.
Deshalb stehen im «Requiem» von Gabriel Fauré Sänger, Choristen, Kinder, Tänzer, kurz: Vertreter aller Gewerke und Generationen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Aber was heißt hier schon «stehen»? Nur eine Tänzerin, nämlich die engelhafte Aki Saito, steht am Anfang und auch später immer wieder auf der Spitze, während Cherkaoui alle anderen wie im Schmerz erbeben lässt. Eine wiegende Bewegung der Arme und des Oberkörpers, aus einer ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Hartmut Regitz
Paris
Rencontres chorégraphiques
Reduktion, Verdichtung, absolute Konzentration: «40.000 centimetri quadrati», also vier Quadratmeter betanzt Claudia Catarzi. Das entspricht in etwa der Fläche eines King Size Bed. Oder einer Zelle in einem der Foltergefängnisse dieser Welt. Was passiert unter welchen Bedingungen mit dem Körper, der Bewegung, der eigenen...
Israel Galván
Wer einmal eine Fiesta erlebt hat, nach einer Flamenco-Aufführung als Spontan-Improvisation im kleinen Kreis von Aficionados, wird diese Beglückung nicht vergessen können: Ansporn für Israel Galván, an dem ungezügelten Lebens- und Kunstgefühl auch einmal ein größeres Publikum teilhaben lassen. Gemeinsam mit Patricia Caballero holt er deshalb «La...
Er liebt es, sich ständig etwas Neuem auszusetzen: Shaolin-Mönchen, dem Tango, Wagners «Ring», japanischen Mangas, den Ballets russes, der Sprachverwirrung von «Babel», der «Nussknacker»-Märchenwelt, Ravels «Boléro». Sidi Larbi Cherkaouis Blick auf die Bewegung, welche Tanz wird, ist einer, der die Vielfalt sucht, das Neue, Andere in den Kulturen, Religionen und...
