sprachgewaltige
Sieht man mal ab von Versuchen der Theoretiker, am Tanz Eigenschaften von Sprache zu sehen und ihn entzifferbar zu machen, macht sich der Tanz nur zu oft selbst an sprachlichen Texten fest. Vielleicht zeigt er gerade dadurch seine Gewöhnlichkeit, denn ein normaler Mensch redet ja auch. Wenn dann hohe Literatur oder Philosophie aus dem Off tröpfelt (oder aus dem Programmheft), während auf der Bühne eine mehr oder minder begabte Bewegung stattfindet, wirkt es aber manchmal, als brauchte der Tanz den Text als eine stärkende Infusion.
Von der Literatur will der Tanz meistens nur die Geschichten, die Konflikte, die Gefühle. Oft ist es auch nicht gerade zeitgenössische Literatur, die heutige Choreografen zur sogenannten Vorlage nehmen. Beispiele aus den letzten Jahren: «Krieg und Frieden» von Lew Tolstoi in Dortmund. «Professor Unrat» von Heinrich Mann in Wiesbaden, Lion Feuchtwangers «Jüdin von Toledo» in Düsseldorf, Georg Büchners «Leonce und Lena» in Essen. Überall werden Rollen verkörpert, manchmal vervielfacht, und die Geschichten möglichst nachvollziehbar dargestellt – ohne Worte in bewegten Rollen. Das Thema ist dann klar. Und die Aussage steht im Bücherschrank. Aber es geht auch ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: ideen, Seite 56
von Melanie Suchy
Man darf ja mal stutzen dürfen. Ein Handbuch zur «choreografischen Komposition»? Da werden Übungen vorgestellt, Prinzipien erläutert, die sich mit praktischen «Studien» abwechseln. Der pädagogische Eros vertieft sich etwa in «ABA-Struktur und Canon». Choreografieren ist eben nicht nur learning by doing. Nötig ist vor allem das kritische Denken gegenüber den eigenen...
Das Theatermuseum in Wien deponiert, was die Theater nicht mehr brauchen. Auch Kostüme für die Choreografie «Der Dreispitz» von Léonide Massine, die 1964 nach dem Entwurf von Pablo Picasso für die Wiener Staatsoper angefertigt wurden. Zur Neueinstudierung des Werks unter Renato Zanella wurden die Kostüme 2004 zurückgegeben. Jetzt sind zwei Stück im...
Carla Fracci, Italiens berühmtester Ballerina, wurde im vergangenen Jahr der Vertrag als Chefin des Balletts am Opernhaus von Rom nicht verlängert. Den Bürgermeister der Stadt, Gianni Alemanno, griff sie daraufhin vor laufenden Fernsehkameras an: «Nie haben Sie mit mir reden wollen.» Warum nicht? Weil «La Carlina» links stand, die Stadt aber wird rechts regiert. So...
