roland petit

Der Nachruf.

Tanz - Logo

Sein erstes Gastspiel als «freier Choreograf» führte ihn nach Baden-­Baden. An der Oos begegnete Roland Petit zum ersten Mal Georges Bizets Oper «Carmen». Noch während der Ouvertüre sagte sich der junge Mann: «Daraus mache ich ein Ballett» und verließ überstürzt das Theater. In der Bibliothek der französischen Militärregierung fand er den Text, und die ganze Nacht über las der angehende Choreograf die Novelle von Prosper Mérimée.

Die Musik war am nächsten Morgen auch schnell besorgt, und «so kam’s 1949 zu ‹Carmen›», wie er 2001 in Genf den Entstehungsprozess seines Balletteinakters erzählt. Um noch eins draufzusetzen: «Inzwischen hat sie mehr als 5000 Vorstellungen auf dem Buckel.»

Seine «Carmen» ist nicht totzukriegen. Wenn sie auch nicht mehr von Zizi Jeanmaire verkörpert wird, könnte derzeit am ehesten eine Tänzerin wie Natalia Osipova eine Ahnung dessen ermöglichen, wonach das ausgehungerte Publikum seinerzeit gierte: Glamour, choreografisches Raffinement und ein provokanter Sex-Appeal, der die Prüderie von damals in einem Augenblick vergessen ließ.

«Carmen» war nicht die einzige Erfolgsstory, die Petit zu verdanken ist. Drei Jahre zuvor hatte der gerade mal 22-Jährige mit «Le ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2011
Rubrik: menschen, Seite 54
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
das anarchiv...

Wellness ist ein bitteres Wort. Es bezeichnet jene ausgesparte Zeit, die man dem eigenen Wohlbefinden widmen muss, weil es sonst ja nicht stattfindet. Auch Kunst soll Wellness sein, uns wie sonst Öle und erprobte Finger in einen Zustand versetzen, in dem jeder Widerstand zwecklos wird. Gebt euch hin! Das ist ein Imperativ.

Kattrin Deufert und Thomas Plischke haben...

hannover: mauro bigonzetti «la piaf»

Ein Star ist sie sowieso, in doppelter Hinsicht: Als Sängerin und als ein Stern, der 1982 nach seiner Entdeckung «3772 Piaf» benannt wurde. Dass Édith Piaf «ihren Körper verlassen hat und auf ewig in diesem Asteroiden über uns ist», gefällt Mauro Bigonzetti. So inszeniert der Erfolgschoreograf aus Italien sein Ballett, als wäre «La Môme Piaf» eine Seelenverwandte...

sylvie guillem...

Sie scheint nicht zu altern, ist so schlank wie eh und je, unter dem Pony strahlt sie mit dem bekannten lausbubenhaften Gesicht, ihre langen Beine und Arme sind so elastisch und biegsam, dass man glauben möchte, sie seien aus Gummi. Man muss es sich immer wieder in Erinnerung rufen: Hier tritt keine jugendliche Göre auf, sondern eine 46-jährige Frau.

Sylvie Guillem...