oslo on tour
Sechs Frauen lassen die Köpfe kreiseln. Sie pusten zart, küssen die Luft, wiegen sich breitbeinig im bisschen Wind, den sie machen. Die Rücken schwanken, die Arme rudern. Auf die Bühne gepflanzt, neigen sie sich wie Pflanzen, um bald festzustellen, dass sie doch nur Tänzerinnen sind. Also kläffen sie wie Hunde, sobald nur eine aus der Ordnung des Gemüsegartens ausbricht. Tiere sind böse, Pflanzen sind gut.
Und wenn die norwegischen Choreografinnen Kristin Ryg Helgebostad und Ingeleiv Bergstad Pflänzchen ausrupfen lassen, ringen ihre Tänzerinnen in «Loudspeakers» bäuchlings um die Auferstehung.
Zuvor lagen sechs Männer auf dem Rücken wie Käfer. Ihnen war es nicht vergönnt, diesen hohen Ernst des Pathos zu erreichen. Die Figur des Denkers, des Märtyrers – sie scheiterten stets am süffisanten Grinsen der Mitspieler. Diesmal sind es Siri Jöntvedt und Snelle Ingrid Hall als Spielleiterinnen, die sich in «Notes in Cracking» zu Ringelreih mit Anfassen entschließen und die Männer als Leadsänger mit Boygroup karikieren.
Die Mädchen immerhin verfallen in einen Rausch, zu hymnischer Rockmusik mit stets nach rechts wippenden Beinen, die auch mal ausschlagen wie die Triebe. Aber was sagt uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 52
von Arnd Wesemann
screening_________
strawinsky heute
Es muss nicht immer «Sacre» sein. Es gibt auch andere Stücke von Igor Strawinsky, die sich ganz unterschiedlich ins Hier und Heute holen lassen – so wie es in dieser Saison das Stuttgarter Ballett getan hat, und zwar auf dreifache Weise. Wie Phönix hebt sich der «Feuervogel» des flämisch-marokkanischen Meisterchoreografen Sidi...
dvd_________
mark morris
27 Jahre ist dieses Meisterwerk inzwischen alt und hat doch nichts von seiner Strahlkraft, Theatralität und Liebenswürdigkeit verloren. Die Rede ist von Mark Morris’ ländlicher Ode «L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato» auf Arien und Rezitative aus dem gleichnamigen Oratorium von Georg Friedrich Händel. 1740 komponierte Händel auf...
Meg Stuart, seit 2006 in Berlin lebend und unlängst 50 geworden, arbeitet ihr halbes Leben lang an einem Werk, das sich als fortgesetzte Grenzüberschreitung begreift. Protagonisten sind meist die Hypersensiblen, die Versehrten, möglicherweise zersplitterte und jeweils neu zusammengesetzte Spiegelbilder ihrer selbst. Geboren wurde Meg Stuart in New Orleans, ihre...
