Tödliche Blicke

Carlos Matos: «Hamlet» in Hildesheim

Tanz - Logo

Am Mut fehlt es Carlos Matos nicht. Im Gegensatz zum Feigling «Hamlet». Der portugiesische Choreograf, im dritten Erfolgsjahr am Stadttheater Hildesheim, wagte einen Tanzessay nach Shakespeares Drama und scheiterte auf halbem Weg, wie andere vor ihm. Er konzentriert sich auf zentrale Motive und Beziehungen, reduziert die vielschichtige politische Tragödie auf die Innenschau des narzisstisch gefangenen, durch Zweifel gespaltenen und von Selbstbeobachtung ge­lähm­­ten Prinzen, den zwei Tänzer verkörpern.


Sie lösen sich zu Beginn voneinander wie ein in sich versunkener Betrachter von seinem Spiegelbild. Im Gegenbild des Schlusses sind die beiden wieder vereint. Hockt der glatzköpfige Matt Batchelder reglos in der Szene, tanzt Hamlets Alter Ego André Mesquita dessen inneren Aufruhr und umgekehrt. Hamlet, ent­zweit mit sich und zugleich ein Beobachter seiner selbst, erlebt das Drama seines Scheiterns als Erinnerungsfilm im Moment des Todes. Matos vermittelt so die Grundzüge der Tragödie. Besser aber wäre es, man kennt sie auch, denn die Figurenzeichnung verschwimmt im Rückblick, den Hamlets «tödlicher Blickwechsel» mit seinem Widersacher König Claudius beendet.
In der Erinnerung tauchen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2005
Rubrik: On Stage, Seite 48
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bei der Berlinale im Vorjahr

Bei der Berlinale im Vorjahr gab es zwei wunderbare Tanzfilme, die später in die Kinos kamen und mit großem Erfolg noch immer laufen: «Rhythm Is It!» und die HipHop-Fantasie «Status Yo!» von Till Hastreiter (ballet-tanz 04/04). Auch in diesem Jahr waren zwei Filme zu sehen, die sich mit Tanz beschäftigten. Aber «wunderbar» ist für beide nicht das richtige Adjektiv.
...

Richard Cragun hat die Nase voll

«Die Arbeitsbedingungen am Teatro Municipal in Rio de Janeiro waren zuletzt so unerträglich, dass ich nach zwei Jahren meine Tätigkeit eingestellt habe.» Der einstige Starsolist des Stuttgarter Balletts und nachmalige Ballettdirektor der Deutschen Oper Berlin hat nun die Konsequenzen aus einer Situation gezogen, die eine kreative Entwicklung des Ballettensembles...

CompuChoreographies

Computers are truly amazing. After hearing a glimmer of something like “Choreography in Action,” with a couple of keystrokes, one can find all sorts of information about it on the Internet. Or, perhaps it can be a little more complicated than that. Google! might suggest an article by David Longworth, in an on-line publication called “Loosely Coupled,” which...