Raphael Hillebrand
Meine tänzerische Heimat ist Hip-Hop. Wenn ich auf eine Hip-Hop-Jam gehe, kenne ich die Codes und Verhaltensregeln. Sie bilden die erste Schicht meiner künstlerischen Identität. Jede weitere Schicht, die sich im Lauf der Jahre darübergelegt hat, musste sich mit Hip-Hop vergleichen, an ihm reiben und schließlich Kompromisse finden. Heute fühle ich mich in vielen tänzerischen Kontexten wohl oder sogar zu Hause. Aber alles basiert auf meiner Identität als Teil der Hip-Hop-Kultur.
Sie war die erste, die mich gefordert, geprüft und letzten Endes aufgenommen hat, so wie ich bin: So fühlt sich Heimat an.
Der Begriff Leitkultur stößt mich ab. Das Konzept, die eine über die andere Kultur zu stellen, finde ich falsch. Kulturen sind Hybride, sich ständig verändernde Gebilde. Kulturen passen sich immer Lebensrealitäten an. Eine Leitkultur dreht dieses Konzept um. Dann soll der Mensch einer bestimmten Kultur folgen, obwohl Kultur erst durch das Handeln des Menschen entsteht. Die Spannung zwischen Kulturen ist der fruchtbarste Ort für Kunst.
Mir wurde oft erzählt, dass meine Heimat ein fernes Land sein muss, weil ich dunkle Haut habe. Den Menschen ist dabei nicht bewusst, woher ihr Konzept ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 114
von Raphael Hillebrand
Er gehört längst nicht mehr zu den hoffnungsvollen Jungtalenten. -Alejandro Virelles Gonzalez ist «Produkt» jenes beinharten, äußerst effizienten kubanischen Ausbildungssystems, das seit Jahrzehnten die halbe Welt mit erstklassigen Tänzern versorgt, wenngleich eher unfreiwillig. Als Gonzalo Galguera 2006 zum 20. «Internationalen Ballett-festival Havanna» seine...
Heimat – thuis oder vaderland im Niederländischen – ist für mich ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt, der Ort der eigenen Herkunft, ein Ort an dem man sich sicher fühlt, der Ort, an dem man verwurzelt ist.
Die Ballettwelt und insbesondere Het Nationale Ballet ist für mich dieser Ort, an dem ich eine solche Verbindung am stärksten spüre. Aber «Heimat» ist ja...
Eine Puppe erwacht zum Leben. Sie tastet ihren Körper ab, erfreut sich an der gewonnenen Gelenkigkeit, an ihrer Stimme. Wie Sophie Killer die Menschwerdung in ihrem Solo «Einer tanzt aus der Reihe» darstellt, legt den Zuschauer an die Leine. Ihre Bühnenpräsenz ist ungewöhnlich, ihr schauspielerisches, mimisches und bewegungskünstlerisches Talent unübersehbar. Die...
